Grund für die Abkehr: Viele wollen die Steuer nicht mehr zahlen

Weniger Menschen traten aus Kirche aus

Wolfhager Land. Die Zahl der Christen, die ihrer Kirche im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt haben, ist um knapp acht Prozent gesunken. Beim Amtsgericht Kassel erklärten 1525 Menschen ihren Austritt. Bei ihnen handelte es sich um Angehörige beider Konfessionen aus dem Wolfhager Land, Stadt und Altkreis Kassel. Im Jahr zuvor waren es 1652 Personen, die sich von der Kirche abgewandt hatten.

Wie Reinhold Kilbinger, Sprecher des Amtsgerichts Kassel, sagt, unterliege die Statistik normalen Schwankungen. Allerdings: Beim Blick ins Zahlenwerk fällt auf, dass auch im Jahr 2009 knapp 100 Menschen weniger aus der Kirche augetreten waren als 2010 – jenem Jahr, in dem vermehrt über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche debattiert worden war.

Das bestätigt auch Christof Ohnesorge, Sprecher des Bistums Fulda. Es sei klar, dass es in 2010 verstärkt Austritte wegen dieser Übergriffe gegeben habe. So hätten in diesem Zeitraum im Pastoralverbund St. Heimerad – Wolfhager Land 55 Christen ihrer Gemeinde den Rücken gekehrt. In 2009 seien es 34 gewesen. Zahlen für 2011 lägen im Juni vor.

Allerdings erwartet Ohnesorge für das vergangene Jahr positivere Zahlen. Um die Betroffenen werde sich gekümmert, Therapien würden angeboten. Mitunter würden kleine Entschädigungen gezahlt.

Für den katholischen Pfarrer Marek Prus aus Zierenberg sind die Kirchenaustritte nicht besorgniserregend. „Auf dem Land halten die Christen ihrer Kirche vielleicht länger die Treue als in der Stadt“, meint Prus. Die Gründe für Austritte seien unterschiedlich. Die meisten wollten die Kirchensteuer nicht mehr zahlen. Mitunter ärgerten sich die Gläubigen aber auch über Äußerungen von Vertretern ihrer Kirche, sei es vom Pfarrer oder vom Papst. Und ganz generell: Der demografische Wandel sei auch in der Kirche angekommen. Die Gemeinde werde immer älter, getauft werde immer weniger.  Zum Tage

Quelle: HNA

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