Wenn der Himmel brennt: Marie Wagner über Norwegen

Faszinierende Eismeerkathedrale: Marie Wagner aus Oberelsungen lebt seit sechs Monaten in Norwegen.

Oberelsungen/Norwegen. "Sechs Monate sind schon vergangen, seit ich das erste Mal norwegischen Boden betreten habe. Es war eine Reise ins Unbekannte, ohne Freunde, ohne Familie." Marie Wagner aus Oberelsungen berichtet hier über ihr Auslandsjahr in Norwegen.

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"Mittlerweile ist das anders. Ich habe eine zweite Familie und sehr nette Freunde. Ich habe viel zu tun. Das Land und die Kultur sind mir nicht mehr unbekannt. Und eines der wichtigsten Dinge für mich: Ich beherrsche einigermaßen die Sprache Norwegisch, von der ich am Anfang kein einziges Wort verstanden habe.

Mittlerweile wache ich sogar auf und spreche plötzlich Norwegisch mit meiner deutschen Freundin, weil ich nicht mehr merke, welche Sprache ich gerade spreche. Das ist schon ein komisches Gefühl. Aber irgendwie auch cool.

Seit Anfang Januar habe ich hier Klavierunterricht, was auch in Deutschland ein großes Hobby von mir ist. Aber hier ist das anders. Hier ist das auf Norwegisch. Da mir die Sprache aber nicht mehr schwer fällt, klappt das ganz gut. Letztens hat mein Gastonkel seinen 50. Geburtstag groß gefeiert. Ich kann nicht abstreiten, dass die Norweger wirklich feiern können.

Ein paar Freunde meines Gastonkels haben ein Geschenk vorbereitet, in dem jeder auf dem Fest eine Norwegenflagge, einen Party-Hut und eine Tröte bekommen hat. Plötzlich standen alle auf den Stühlen und haben laut gesungen. Am Ende wurde getrötet und alle Party-Hüte durch den ganzen Raum geschmissen, die Flaggen geschwenkt, gejubelt und Konfetti gesprüht.

Dann gibt es aber auch immer wieder Erlebnisse, die nicht so schön sind. Zum Beispiel als ich von Freunden deren Bekannten vorgestellt wurde. Ich sagte, dass ich aus Deutschland komme und habe eigentlich nicht mit einer negativen Reaktion gerechnet.

Doch plötzlich haben die Leute mich ganz schräg angeguckt und wollten nicht mehr mit mir reden. Ich bin nicht böse darüber. Aber daran merkt man, dass unsere deutsche Geschichte immer noch Auswirkungen auf die Gegenwart hat.

Technomusik im Bus

Eine Sache, die ich von Deutschland gar nicht kenne ist, wenn man in den Bus einsteigt und plötzlich ganz laute Technomusik läuft, die nicht von irgendeinem Mitfahrer stammt, sondern vom Busfahrer. Mich hat das so verwundert, dass ich das erst mal gleich einer Freundin erzählen musste. Sie hat mir erklärt, dass das hier erlaubt wäre und auch normal sei.

Im Februar habe ich hier nach der zwei Monate langen Dunkelheit endlich wieder die Sonne gesehen. Ab Mai fängt dann die Zeit an, in der es auf die Mitternachtssonne zugeht und es nicht mehr dunkel wird.

Was mich in Norwegen immer wieder fasziniert, sind die Sonnenuntergänge. Dann brennt der Himmel in kräftigen rot, orangen, rosafarbenen und gelben Farbtönen. Unglaublich schön! Fast so schön wie die Nordlichter." (ewa)

Von Marie Wagner

Quelle: HNA

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