Wegen Streik: Kitas hatten in Melsungen und Körle geschlossen

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Verschlossene Türen: Wer gestern sein Kind in der Kindertagesstätte Bachfeld in Melsungen abgeben wollte, fand dieses Schild. Die Erzieherinnen streikten.

Melsungen. Die Eltern von 300 Kindern hatten Montag in Körle und Melsungen keine oder nur eingeschränkte Kinderbetreuung. In den vier kommunalen Kitas streikten die Erzieherinnen. 

„Bei mir stand am Donnerstag das Telefon nicht still“, sagt Annika Knoth-Döring. Sie ist Hauptelternbeirätin der Kindertagesstätte in Körle. Am vergangenen Donnerstag wurde den Eltern der Tagesstätte in Körle mitgeteilt, dass die Erzieherinnen am Montag streiken. Es habe viel Unverständnis bei einigen Eltern wegen des Streiks gegeben, erklärt Knoth-Döring. Allerdings auch, da erst vor kurzem die Kindergarten-Gebühren erhöht wurden.

„Aber das sind natürlich zwei paar Schuhe“, sagt Knoth-Döring. Grundsätzlich verstehe sie schon, warum die Erzieherinnen für ein besseres Gehalt und eine höhere Eingruppierung streiten. „Für mich persönlich war es aber blöd, denn heute war ich auf die Betreuung angewiesen“, sagt Knoth-Döring. Wenigstens gebe es einen Notdienst von acht bis 14 Uhr, den sie auch für ihre Tochter genutzt habe.

Verständnis ist umgeschlagen

In Melsungen hatte die Kita Bachfeld geschlossen, an der Kasseler Straße und am Schloth gab es einen Notdienst für Eltern. Dieser wurde nach Aussage von Matthias Will, stellvertretender Leiter des Hauptamts, aber nur bedingt genutzt. „Wir haben mit den Notdiensten auf die massive Elternkritik am Donnerstag reagiert“, sagt Will. Bei den vorangegangenen Schließtagen wegen des Tarifstreiks habe es kaum Proteste gegeben. Das Verständnis der Eltern sei umgeschlagen. Insbesondere die Kurzfristigkeit der Streik-Ankündigung sei nicht gut angekommen. An den anderen Tagen hatten alle drei kommunalen Kindergärten zu, mehr als 200 Kinder mussten anderweitig betreut werden.

Für die Eltern sei dies zwar eine Einschränkung, aber die Stadt könne an der Situation grundsätzlich nichts ändern. „Als tarifgebunde Kommunen können wird nichts dafür. Wir werden bestreikt“, sagt Will. Die Forderung der Erzieher könne er aber nachvollziehen, sagt Will. Viele Erzieherinnen arbeiteten in Teilzeit. Da sei, auf die Wochenstundenanzahl runtergebrochen, das Bruttoentgeld nicht hoch.

Beschwerden seien nicht an sie herangetragen worden, sagt Barbara Hoßfeld. Die 61-Jährige ist seit 1978 Leiterin von Kindertagesstätten in Melsungen. Die Eltern seien mit Elternbriefen über die Situation und die Streikgründe informiert wurden. Das Verständnis sei hoch gewesen. Seit den 1980er-Jahren sei an den Eingruppierungsmerkmalen der Erzieher nichts geändert worden. Wenn jetzt nichts erreicht würde, könnte es weitere Jahrzehnte so bleiben, gibt sie zu bedenken.

Azubis verdienen nichts 

Eine Lohnerhöhung für die Erzieherinnen ist beschlossen. Sie kommt im Frühjahr 2016. Die Erzieherinnen streiken derzeit für die Änderung der Eingruppierungsmerkmale. Diese wurden etwa vor 30 Jahren letzmalig geändert. Für Erziehungsberufe gibt es innerhalb der Tarife im öffentlichen Dienst eine eigene Eingruppierung für den Sozial- und Erziehungsdienst: den S-Tarif. Derzeit gilt für Erzieherinnen mit staatlicher Anerkennung S6. Erzieher starten demnach bei einer vollen Stelle mit einem Grundgehalt von 2366 Euro. Mit einer höheren Eingruppierung gehe auch eine höhere gesellschaftliche Anerkennung einher, sagt Barbara Hoßfeld. Sie ist seit vielen Jahren Leiterin der Melsunger Kindertagesstätten Kasseler Straße und am Schloth. Es heiße zwar immer, Erzieherinnen leisteten eine sehr sinnvolle und wichtige gesellschaftliche Aufgabe, im Gehalt spiegele sich dies indes nicht wider.

Die Betreuungszeiten in einer Kindertagesstätte von 7 bis 16.30 Uhr seien nicht mit einer vollen Stelle abzudecken. Daher sei es notwendig, in Kitas mit Teilzeitkräften zu arbeiten. „Sonst könnte ich die Betreuung nicht gewähleisten“, sagt Hoßfeld. In ihrer Zeit habe es noch nie einen festangestellten männlichen Erzieher an einer ihrer Kitas gegeben. Der Beruf gelte noch immer als Frauenberuf und das zeige sich eben auch am Gehalt. „Wir müssen aber attraktiver werden für Männer. Auch im Interesse der Kinder.“ Hinzu käme, dass Auszubildende während ihrer fünfjährigen Ausbildungszeit vier Jahre lang nichts verdienten.

Quelle: HNA

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