Sie werden noch gebraucht

Margarethe Neumann (93) und Olga Domke (95) helfen ehrenamtlich im Altenheim

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Sie werden noch gebraucht: Margarethe Neumann (93) und Olga Domke (95) helfen ehrenamtlich im Altenheim.

Gudensberg. Auch im hohen Alter können Einsatz und Engagement das Leben bereichern. Im Altenzentrum Eben-Ezer in Gudensberg gibt es zwei Frauen, die mit über 90 Jahren noch täglich für andere da sind. Und sich darüber sehr freuen.

Wie viele Wäsche- und Kleidungsstücke täglich durch ihre Hand gehen, hat Margarethe Neumann noch nie gezählt. Es sind etliche, denn im Altenzentrum Eben-Ezer in Gudensberg leben um die 200 ältere Menschen, deren Kleidung zum großen Teil in der hauseigenen Wäscherei gewaschen wird.

Margarethe Neumann ist 93 Jahre alt und lebt als Mieterin einer Wohnung seit elf Jahren im Eben-Ezer. Und sie ist froh, dass sie in ihrem Alter so fit ist, dass sie ehrenamtlich arbeiten kann. „Ich stehe am liebsten an der Mangel“, sagt sie und lächelt. Dort gebe es jeden Tag so viel zu tun, und immer müssten vier Leute da sein zum Anpacken bei den großen Teilen wie Tischtüchern, Laken und Bettbezügen.

Die 93-Jährige mag die Unterhaltung mit den „jungen Leuten“ während der Arbeit, wie sie sagt: „Dabei erfahre ich immer das Neueste aus Gudensberg.“

Zusammen mit der bald 96-jährigen Olga Domke, die seit dem Jahr 2000 im Eben-Ezer als Mieterin lebt, gehört Margarethe Neumann auch dem Heimbeirat an, der die Interessen der Bewohner gegenüber der Leitung vertritt. Außerdem haben beide vor wenigen Jahren zwei Lehrgänge zur Sterbebegleiterin absolviert und betreuen als Helfer im Hospizdienst im Chattengau todkranke Menschen.

„Wir leben ja hier und können auch nachts am Bett sitzen“, sagt Olga Domke. Sie lesen vor, singen mal ein Lied. Manchmal reiche es, den Sterbenden zu streicheln, um ihm zu zeigen, dass er nicht allein ist. „Diese Begleitung tut einem selbst gut“, haben die beiden Frauen erkannt.

Weil sie nicht mehr so gut auf den Beinen ist, hat sich Olga Domke auf eine sitzende Arbeit konzentriert: Sie näht unermüdlich die unentbehrlichen Namensschildchen in die Kleidungs- und Wäschestücke der Bewohner ein. Die farblich passenden Nähgarne hat sie in ihrer Kommode vorrätig.

Für beide Frauen ist das Gefühl, noch gebraucht zu werden, sehr wichtig. „Man hat noch eine Aufgabe, ist nicht allein“, sagt Margarethe Neumann. Und Olga sagt: „Ich kann nicht ohne Arbeit sein und bin glücklich, dass ich das hier gefunden habe.“

Insgesamt seien 45 Ehrenamtliche im Altenzentrum Eben-Ezer aktiv, sagt Heimleiter Walter Berle. Sie übernehmen Botengänge, machen Blumenschmuck, viele auch Krankenhausbesuche. Das alles entlaste die Leitung enorm, betont Berle.

Mit der streitbaren Margarethe Neumann gebe es immer mal Diskussionen, solche Querdenker seien zwar eine Herausforderung, aber auch eine echte Bereicherung, betont der Heimleiter. Sie verdienten große Anerkennung.

Helfer gesucht für Viehmarkt-Ausflug 

Nicht nur im alltäglichen Betrieb, sondern auch für besondere Gelegenheiten sucht das Altenzentrum Eben-Ezer ehrenamtliche Helfer. In diesem Jahr geplant ist ein Ausflug der Altenheimbewohner zum Heimatfest und Viehmarkt am ersten September-Wochenende. „Wir wollen am Samstag, 3. September, zum Festplatz wandern“, sagt Walter Berle. Dafür werden Betreuer gesucht, die sich beim Ausflug um die Senioren kümmern. Benötigt werden 70 bis 80 Freiwillige, gerne auch Familien mit Kindern. „Es haben sich aus dieser Begegnung schon Freundschaften entwickelt“, sagt Berle. Bei Interesse kann man sich bei ihm melden, Tel. 0 56 03 / 9 34 56.

Quelle: HNA

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