Auskunft über Wald um Gut Laar von vor 200 Jahren

Alte Bücher erlauben Blick in Vergangenheit

So sah der Wald vor fast 200 Jahren aus: Ernst-Uwe und Dora von Starck vom Gut Laar verfügen über die alten Betriebswerke. Die Bücher geben Auskunft über die Waldstruktur und seine Nutzung. Foto: Thon

Zierenberg/Laar. Vom Werden und Vergehen des Waldes erzählen die alten Bücher. Dora von Starck und ihr Sohn Ernst-Uwe von Starck sitzen über den Forsteinrichtungswerken.

In ihnen ist der zum Gut Laar gehörende Waldbestand beschrieben. Das älteste der Bücher stammt aus dem Jahr 1836, der Autor hat die Notizen mit schwarzer Tusche eingetragen und per Hand eine farbige Karte skizziert. Für die Starcks und in Försterkreisen sind die alten Betriebswerke ein richtiger Schatz, Dokumente der Nachhaltigkeit.

Ein Blick in die historischen Aufzeichnungen genügt, und vor dem Auge des Fachmanns entsteht der Wald von vor 200 Jahren. Ein Wald, den es heute freilich nicht mehr gibt, da das Holz von damals längst geerntet ist. Das blasse Grün in der Skizze macht deutlich, dass die Buche im Jahr 1836 die dominierende Baumart war, gefolgt von Eichen, Hainbuchen und in geringem Maße Fichten.

Mit Kluppen streiften die Waldarbeiter einen Sommer lang durch den Forst und maßen in Brusthöhe den Durchmesser eines jeden Baumes. Sie erfassten Baumart und notierten, wie dicht die Bäume stehen. Aus dem Datenmaterial wurden Bewirtschaftungsanleitungen formuliert. So sei festgelegt worden, wie viel geerntet und wie das Holz genutzt wurde, sagt Ernst-Uwe von Starck, dem der 860 Hektar große Wald heute gehört. Zudem gab es detaillierte Vorgaben, an welchen Stellen aufgeforstet werden muss. Der Bestand wurde im 20. Jahrhundert alle 20 Jahre erfasst, davor waren die Zeiträume noch etwas größer.

Eine sensible Zeit

Das älteste Betriebswerk wurde in einer forstwirtschaftlich sensiblen Zeit verfasst. Damals hatte sich immer mehr der Gedanke durchgesetzt, nicht mehr Wald zu verbrauchen, als nachwachsen kann. Diese Idee hatte Konsequenzen für die Viehwirtschaft; traditionell hatten die Bauern ihre Herden zur Weide in den Wald getrieben, etwa von Obermeiser über den Höhenweg zum Kuhlager. Das stand nun unter Strafe, denn der Appetit des Viehs unterband jegliche natürliche Verjüngung des Waldes.

In den Büchern finden sich Hinweise, die den gesellschaftlichen Wandel belegen. Dora von Starck kann die altdeutsche Schrift entziffern und trägt vor: Auf dem Laarschen Felde, etwa 500 Meter vom Gut in nördliche Richtung, sollen Ahorn, Esche und Eiche in den Bestand „eingesprengt“ werden, wenn letztere von Natur aus nicht nachwachsen können; auf den „trockenen Rücken auch Kiefern oder Lärchen“. In dem Forsteinrichtungswerk ist zudem die Rede von einer Trift, die von einem Hegegraben flankiert wird, einer sichtbaren Grenze, die das Vieh auf dem Weg zu den wenigen verbliebenen Weiden nicht verlassen durfte.

Borkenkäfer und Pilze

Auch Fehler offenbaren die alten Betriebswerke. In den 1950er Jahren wurden Fichten gepflanzt. Heute weiß Ernst-Uwe von Starck, dass das keine gute Entscheidung war. Der Borkenkäfer nistete sich ein, Pilze breiteten sich aus. „Noch heute laufe ich dem Bestand hinterher“, sagt er. Er müsse mehr Maßnahmen ergreifen, um die gesunden Bäume zu schützen, als er Holz ernten könne. Auch das wird Eingang in künftige Betriebswerke finden. So wissen die Nachfahren, dass der Standort für Fichte ungeeignet ist.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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