Oswald Schnell (82) ist Hobbyarchäologe – Seine Sammlung umfasst mehr als 700 Exponate

Werkzeuge aus der Steinzeit

Experte: Oswald Schnell aus Lenderscheid hat 700 Steine aus der Jung- und Altsteinzeit in den vergangenen 15 Jahren zusammengetragen. Foto: Heist

Lenderscheid. Ob Alt- oder Jungsteinzeit, Quarzit oder Feuerstein – Oswald Schnell aus Lenderscheid kennt sich aus mit steinzeitlichen Funden. Seit 15 Jahren beschäftigt sich der 82-Jährige intensiv mit Steinen. 700 Steine aus den unterschiedlichen Epochen und Stufen der Steinzeit hat er in dieser Zeit zusammengetragen, darunter Schaber, Messer, Äxte, Schlagsteine zum Behau von Werkzeugen und Kernsteine zum Abschlagen von Flächen für Klingen: helle Steine aus der Jungsteinzeit und Steine mit dunkler Patina aus der Altsteinzeit.

Von seinem Hof aus begibt sich Schnell auf Steinsuche in der Gemarkung Lenderscheid, einem Gebiet von rund 405 Hektar. „Die Suche geht nur im Frühjahr und im Herbst, wenn die Felder abgeerntet sind oder noch nicht bestellt sind“, sagt der ehemalige Landwirt.

Einst musste er Steine auflesen, damit sie nicht in die landwirtschaftlichen Maschinen kamen. Heute ist das Sammeln von Steinen sein Hobby. „Ich geh jetzt nicht raus, mit dem Willen Steine zu finden. Wer mithilft, ist der Regen, der sie blank spült“, sagt er. Auch der Zufall gehe beim Finden mit.

Schon zur Schulzeit habe er sich für steinzeitliche Werkzeuge interessiert, erklärt der 82-Jährige. Aufmerksam geworden sei er durch einen Lehrer aus Ziegenhain, der regelmäßig nach Lenderscheid gekommen sei, um dort nach Steinen für das Ziegenhainer Museum zu suchen.

„Als Landwirt hatte ich ja gar keine Zeit für die Suche“, sagt Schnell. Er habe sich jedoch vorgenommen, als Rentner damit loszulegen. Die steinzeitlichen Funde aus der Gemarkung Lenderscheid wiesen auf einen besonders feinkörnigen und spaltbaren Quarzit hin, sagt er. Es handele sich um den sogenannten Braunkohlenquarzit.

Steinsucher wie Oswald Schnell benötigen eine Nachforschungsgenehmigung. So ist er ist als Steinesammler ganz offiziell unterwegs: Beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen ist der 82-Jährige als ehrenamtlicher Mitarbeiter registriert und hat dort einige Lehrgänge zum Thema Steinzeit absolviert. „Die Steine werden beim Amt für Denkmalpflege in Marburg registriert, bleiben aber hier bei uns“, sagt Schnell Laut Bezirksarchäologe Dr. Andreas Tiedmann vom Landesamt für Denkmalpflege sind die steinzeitlichen Funde in der Gemarkung Lenderscheid wegen ihrer Vielfalt und Qualität von überregionaler Bedeutung.

Gut fände es Schnell, wenn sich junge Leute für die Suche begeistern würden: „Denn eines Tages laufe ich nicht mehr übers Feld.“

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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