Für 2,5 Mio. Euro versichert

Wertvolles Stück auf Reisen: Fritzlarer Reliquiar in Paderborn

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Mit 2,5 Millionen Euro versichert: Das Scheibenreliquiar entstand um 1180 und gehört zum Fritzlarer Domschatz. Zurzeit ist es in einer Ausstellung in Paderborn zu sehen.

Fritzlar. Sie werden wie ein Schatz gehütet und deshalb auch in der Schatzkammer aufbewahrt. Die Rede ist von den Kunstwerken des Domschatzes von Fritzlar. Eines von ihnen ist jetzt auf eine Reise gegangen.

Das romanische Scheibenreliquiar, das etwa um 1180 entstand, wurde nach Paderborn verliehen. Dort wird in der Ausstellung „Credo – Christianisierung Europas im Mittelalter“ zusammen mit Exponaten aus der ganzen Welt; sei es Berlin, Dublin, London, Oslo, Paris, Riga, New York, Rom oder Warschau, dem Publikum präsentiert.

Das gute Stück ist 47 Zentimeter hoch und 45 Zentimeter breit. Für die Ausstellung wurde ein Leihvertrag aufgesetzt, erläuterte der Fritzlarer Domkurator Anton Pristl.

Das wertvolle Exponat sei in Höhe von 2,5 Millionen Euro versichert, sagte Pristl. Den Transport übernahm Ein Sicherheitsunternehmen mit einem Spezialfahrzeug und unter dem Schutz von Sicherheitspersonal.

Verpackt war das Reliquiar in einem speziellen Behälter und auf diese Weise soll es nach Ende der Ausstellung auch wohlbehütet wieder in die Schatzkammer im Fritzlarer Dommuseum zurück kommen.

Schädlinge am Werk

Da befürchtet worden war, Schädlinge könnten den Holzkern des Exponats befallen haben, wurde es von einem Restaurator untersucht. Tatsächlich habe sich der Verdacht teilweise bestätigt. An dem aus Eichenholz bestehenden Fußteil und dem Kreisbogen gab es keine Schäden.

Das hölzerne Kernstück musste aber durch ein Institut für Holzqualität und Holzschäden fachmännisch behandelt werden, bevor das Reliquiar wieder geschlossen wurde und die Reise zur Ausstellung nach Paderborn antrat.

Das Scheibenreliquiar aus dem 12. Jahrhundert ist ein einmaliges romanisches Kunstwerk. Es ist aus mehreren, in verschiedenen Techniken gearbeiteten, Teilen zusammengesetzt. Der Holzkern ist mit Kupferblech und Email verkleidet.

Die Vorderseite mit einem reichen Dekor in Grubenschmelztechnik, zeigt im Christus mit Buch und zwei Engel. Darunter sind aus Bein geschnitzt die zwölf Apostel abgebildet. Der Sockel mit vier Engelmedaillons und der Bogenrand sind mit verzierten Emailplatten belegt.

Die Rückseite zeigt zwei springende Hunde in symmetrisch angelegtem, sehr lebhaft gestaltetem Rankenwerk. Es wird vermutet, dass das Kunstwerk in Fritzlar, am Mittelrhein oder in Fulda gefertigt wurde. Es komme immer wieder vor, dass Stücke aus dem Fritzlarer Domschatz für Ausstellungen verliehen werden, sagte Pristl.

• Beschreibung des Reliquiars aus: Christian Rauch und Volker Katzmann: „Fritzlar, Die alte Dom-und Kaiserstadt und ihre Kunstschätze“, S. 48, Tübingen, 1974

Quelle: HNA

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