Dorfverein Schönau eröffnet Geopfad: Rundwanderweg lockt zu Besonderheiten

Westafrika im Kellerwald

Start des neuen Geopfades in Schönau: Der Vorsitzende des Dorfvereins Hans-Hermann Ritting (Dritter von rechts) mit den am Projekt Beteiligten (von links) Friedhelm Beckmann (Dorfeerneuerung), Lisa Küpper (Region Kellerwald-Edersee), Matthias Schnücker (Hessenforst), Rainer Barth (Bürgermeister), Norbert Panek (Geopark Grenzwelten), Dr. Heinz-Dieter Nesbor (Landesamt), Willi Schütz (Fossiliensammlung), Lothar Dietrich (Ortsvorsteher), Rainer Paulus (Naturpark) sowie Hans-Werner Kreuter (Dorfverein). Fotos: Diehl

Schönau. Westafrika in der Schwalm: Geht nicht? Geht! Gemeinsame Wurzeln bietet ein neuer Geopfad.

Dieser führt vom Wanderparkplatz vor dem Dorfgemeinschaftshaus Schönau aus zu den geologischen Besonderheiten im Kellerwald. Der Rundwanderweg ist knapp neun Kilometer lang und führt zu Sehenswürdigkeiten wie der Burgruine Schönstein und zum früheren Bergbaurevier Silberstollen.

„Früher war das Erbsloch jedem Schüler bekannt“, sagt Hans-Hermann Ritting, der als Vorsitzender von „Wir für Schönau“ den Geopfad eröffnete. Damit hat der im Zuge der Dorferneuerung gegründete Verein die im Jahr 2008 begonnenen Pläne verwirklicht. In der im DGH eingerichteten Dorfstube sollen die Wanderer einkehren können.

Der Geopfad ist angebunden an den Kellerwaldsteig und gilt als touristischer Höhepunkt am südlichen Rand des Naturparks Kellerwald-Edersee. Künftig soll es Naturparkführungen entlang des Geopfads geben. Mit Hans-Hermann Ritting und Hans-Werner Kreuter haben sich zwei Mitglieder des Trägervereins zu Naturparkführern ausbilden lassen. „Insbesondere für Schulklassen wollen wir Erdgeschichte erlebbar machen“, sagte Ritting.

Auf dem Geopfad können sie durch Erosion freigelegten Reste der ehemals zu Afrika gehörenden Gesteine entdecken: Kalksteine und kalkige Grauwacken, die sich klar von den umgebenden Gesteinen unterscheiden. Diese Schichten bergen mehr als 400 Mio. Jahre alte Fossilien. Der Kellerwald sei geologisch überaus kompliziert, so Dr. Heinz-Dieter Nesbor, der die Region für das Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie erforscht.

Um dies zu ermöglichen, wurde eine geologische Karte aus den 1960-er Jahren modernisiert. Anhand der Fossilien - die ersten Funde am Steinhorn und am Erbsloch liegen bereits mehr als hundert Jahre zurück - können die Steine eingestuft werden. Laut Geowissenschaftler Nesbor stammen die gefundenen Gesteine von Westafrika und gehen 480 Millionen Jahre zurück.

Drei Infotafeln am Wanderparkplatz, in der Nähe des ehemaligen Erbsloch-Schürfs sowie am Steinhorn geben Auskunft über die Gesteine, die aus afrikanischen Gefilden in den südlichen Kellerwald transportiert wurden. Fachlich konzipiert wurde der Geopfad unter anderem von Norbert Panek (Geopark Grenzwelten), Dr. Heinz-Dieter Nesbor und Fossiliensammler Willi Schütz aus Lischeid. Daneben beteiligt waren der Naturpark Kellerwald-Edersee, Hessenforst sowie die Region Kellerwald-Edersee, die das Erstellen der Infotafeln und das Infofaltblatt mit Fördermitteln aus dem Leader-Programm der EU und des Landes Hessen unterstützt hat.

Der Rundweg führt auch zum zwischen Schönau und Densberg gelegenen alten Bergbaurevier Silberstollen, an dem Stollenmundloch und Abraumhalde von dem ehemaligen Bergwerk aus dem 17. Jahrhundert zeugen, in dem vor allem Kupfererz abgebaut wurde.

Weiter gelangen die Wanderer zur idyllisch im Wald gelegenen Burgruine Schönstein, bis 1543 Sitz der hessischen Amtmänner. Die Burgruine soll ab Anfang August weiter saniert werden, kündigte Matthias Schnücker (Hessenforst in Jesberg) an.

Von Kerstin Diehl

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare