Heute Hunderte von Nachfahren in den USA

Wettesinger kämpfte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

Wettesingen. Johann Henrich Weymann verließ seine nordhessische Heimat im März 1776 – er sollte sie nie wiedersehen. Gerade mal 18 Jahre jung nahm er Abschied von seiner Familie in Wettesingen, segelte als Truppenangehöriger über den großen Teich und riskierte in der Fremde sein Leben.

Als einer der vom hessischen Landgrafen Friedrich II. an den britischen König vermieteten Soldaten kämpfte der Gemeine aus Wettesingen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf englischer Seite, zuletzt aber für die nach Freiheit strebenden Amerikaner.

Johann Henrich überlebte. In seiner alten Heimat galt er jedoch als vermisst. Nur so viel wurde später über ihn bekannt: Laut dem Verzeichnis HETRINA, Hessische Soldaten in Amerika, desertierte Johann Henrich Weymann im Juni 1779. Er blieb in Amerika.

Konturen nach 237 Jahren

Erst 237 Jahre nach seinem Fortgang nimmt sein weiterer Lebensweg Konturen an. Dank des privaten Forschergeistes seiner vierfachen Urenkelin Susan Hillhouse in Colorado (USA). Die Mittsechzigerin wandte sich im Zuge ihrer Recherchen zur Familiengeschichte hilfesuchend an die evangelische Kirchengemeinde Wettesingen, um mehr zu erfahren über den aus Deutschland stammenden Vorfahren. Die gewünschten Auskünfte lieferte Karl-Heinz Baake, gemeinsam mit Willi Carl, Verfasser des Wettesinger Sippenbuches. Die 2008 vom Heimat- und Geschichtsverein Wettesingen herausgegebene Dokumentation umfasst über Jahrhunderte Namen und Daten aus den örtlichen Kirchenbüchern.

Susan Hillhouse konnte geholfen werden. Ihr Urahne war am 29. Dezember 1757 als drittes Kind des aus Wolfhagen stammenden Feldarztes (Feldscher) Johann Friedrich Weymann und seiner Frau Maria Elisabeth Knüppel (Wettesingen) geboren worden. Die Familiendaten auf Wettesinger Seite reichen zurück bis zu Johann Henrichs Ururgroßvater mütterlicherseits, dem Wettesinger Pfarrer Johannes Iffert (1628 bis 1667).

Die Amerikanerin revanchierte sich und ließ nun Baake alles wissen, was in ihrer Familie noch über den deutschen Einwanderer bekannt ist. Soviel vorweg: Der gebürtige Wettesinger fand jenseits des großen Teichs, nachdem er in verschiedenen Schlachten gekämpft hatte, sein Glück. Johann Henrich Weymann siedelte zunächst in Salisbury North Carolina. 1884 heiratete er Catharine Carnes (Kern), Tochter deutscher Einwanderer. Sie bekamen acht Kinder, ließen sich später in Kentucky und schließlich im Süden Indianas nieder. Als Farmer kam Johann Henrich zu Wohlstand. Er wurde 81 Jahre alt. Der einstige Wettesinger liegt auf dem Familienfriedhof Wyman Cemetery in Washington County im Süden Indianas auf einer Anhöhe zwischen zwei Flüssen begraben. Er hat, schrieb Ururururenkelin Susan Hillhouse, „viele hundert Nachkommen in den Vereinigten Staaten, und ich bin stolz darauf, einer von ihnen zu sein“.

Von Dorina Binienda-Beer

Quelle: HNA

Kommentare