Dieter Klinger entdeckte in unserem Bericht sein Rad – Doch es ist rechtskräftig versteigert

Wiedersehen in der HNA

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Unter den Hammer gekommen: Das Rad wurde vorige Woche rechtskräftig versteigert.

Schwalmstadt. Dieter Klinger war sich sicher, dass er sein Mountainbike nie wieder sehen würde. Es wurde vorigen Sommer gestohlen, auch das Rad seiner Frau. Unbekannte bedienten sich aus einem Raum neben dem Keller in seinem Wohnhaus im Treysaer Leistweg, die Tür ist immer geschlossen – aber eben nicht zugeschlossen.

Wann genau die Räder im vorigen August verschwanden, weiß der Treysaer deshalb nicht genau. Was er weiß: Sein Fahrrad hat jetzt einen rechtmäßigen neuen Eigentümer. Der hat es vor einer Woche bei der jährlichen Versteigerung der Stadt Schwalmstadt für 40 Euro erstanden, und auf dem Foto in unserem Bericht darüber war just sein Fahrrad zu sehen.

So wandte sich Klinger ans städtische Fundbüro, wo er erfahren musste, dass nichts mehr an dem Verkauf zu ändern ist. Ordnungsamtsleiterin Doris Heinmüller ist über die ganze Angelegenheit ein wenig zerknirscht, allein, ändern kann sie es nicht. Da nutzt es Dieter Klinger auch nichts, dass er den Diebstahl des Fahrrades damals bei der Polizei angezeigt hat und auch telefonisch auf dem Ordnungsamt danach gefragt hat, mit negativem Bescheid.

Doch wie ist das möglich? Ganz genau ist das zwar nicht mehr rekonstruierbar, doch vermutet Doris Heinmüller, dass die Abläufe in diesem Fall sehr widrig gelaufen sind. Im Fundbüro wurde das fragliche Fahrrad schon Mitte August abgeliefert, weil Dieter Klinger den Diebstahl erst Tage später bemerkte und folglich nicht genau terminieren konnte, stimmten die Angaben nicht überein. Die Anzeige datiert erst vom 30. August. Überdies war aus dem gelb-schwarzen in der Kommunikation ein schwarz-gelbes Rad geworden. Doris Heinmüller: „Das ist reichlich blöd gelaufen.“ Aber rein rechtlich war Klinger tatsächlich nach sechs verstrichenen Monaten nicht mehr Eigentümer, die Versteigerung ist wasserdicht und nicht rückgängig zu machen.

Dieter Klinger nimmt es sportlich, es sei auch kein allzu teures Fahrrad gewesen, er habe es vor einigen Jahren in einem Baumarkt erstanden. Einen kleinen Seitenhieb setzt er trotzdem: „Der glückliche Besitzer freut sich, die Stadt ist um 40 Euro reicher und ich? Die Bürokratie kann ich nicht mehr verstehen und wünsche dem neuen Besitzer viel Spaß mit meinem Fahrrad.“ Auf das geklaute silberne Damenrad der Klingers gibt es übrigens keinen Hinweis.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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