Kirchenzuchtordnung: Heute eröffnet Sonderausstellung in der Kreissparkasse

Wiege der Konfirmation

Konfirmation 1906 in Niedergrenzebach: Dieses und noch viele weitere Fotos und Exponate sind in einer Sonderausstellung zur Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung zu sehen. Foto: Privat

Ziegenhain. Wenn am Sonntag nach Ostern und den darauf folgenden Sonntagen in den evangelischen Gemeinden die Konfirmationsfeiern gehalten werden, dann wissen oft die wenigsten Menschen, welche Bedeutung gerade Ziegenhain für dieses besondere Fest hat. Denn tatsächlich ist die Schwalm das Ursprungsland der Konfirmation. Der Brauch wurde durch die Verabschiedung der Ziegenhainer Zuchtordnung von 1539 zunächst in der Schwalm eingeführt und dann später von den übrigen deutschen und europäischen Ländern übernommen.

Die Konfirmation gehörte nicht zu den ursprünglichen Bräuchen und ihre Einführung von Ziegenhain aus hatte eine merkwürdige Ursache. Durch die Hornberger Synode des Jahres 1526 hatte die Reformation ihren Anfang genommen. Erschwert wurde sie jedoch durch räumliche Entfernungen und gewisse Widerstände.

Denn „Mißbräuche und mangelnde Kirchenzucht“ - die wichtigsten Argumente der Reformation - konnten in den neuen Gemeinden nicht ohne weiteres ausgerottet werden.

Insbesondere den Wiedertäufern (siehe Stichwort) schienen die Anfangserfolge der Reformation noch zu gering. In den innerlich noch nicht gefestigten jungen reformierten Gemeinden stifteten sie gar manche Verwirrung. Um den Bestand der hessischen Landeskirche nicht zu gefährden, entschloss sich Landgraf Philipp 1536 zu einem „Mandat wider die Wiedertäufer“. Als sich durch das Mandat aber kein Erfolg einstellte, kam es 1537 zu der „Ordnung der Visitation“. Mit Belehrung und Milde, aber auch mit der Strenge der Landesverweisung der Wiedertäufer, wurde durchgegriffen. Der Landesfürst ließ festlegen, dass die Todesstrafe an Wiedertäufern nur mit landesherrlicher Genehmigung vollzogen werden durfte. Im Hessenland wurde um des Glaubens willen niemand hingerichtet.

Als aber alle Bekehrungsversuche an den Wiedertäufern misslangen, entschloss sich der Landgraf, den um die hessische Reformation verdienten Martin Bucer aus Straßburg zu einer Aussprache mit den Wiedertäufern einzuladen. Im Laufe dieser Aussprache gab Bucer den Forderungen der Wiedertäufer Raum, insbesondere in der Frage, dass „keine Gemeinde ohne Zucht bestehen könne, dass die Kinder, wenn sie erwachsen sind, gefördert werden müssten und dass zukünftig der christliche Haushalt besser zu bestellen sei.“

Voraussetzung für Widerruf

Diese Zusagen, die für die Wiedertäufer die Voraussetzung für den Widerruf waren, setzte Bucer auch in der in Ziegenhain abgehaltenen Synode in die Tat um. An der Abfassung der Kirchenzuchtordnung nahmen die landesfürstlichen Räte, Gesandte der Städte und vor allem Hessens herausragende Theologen teil.

Von dem Urdruck der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung existieren zwei Exemplare: eines in der vatikanischen Bibliothek in Rom und das zweite im Marburger Staatsarchiv. Schriftlich belegt ist der christliche Brauch erst ab dem Jahr 1585: Seitdem gibt es Konfirmandenverzeichnisse. (zsr) Quelle: Schwälmer Jahrbuch 1989, Heinrich Credé

• Ausstellung Schwälmer Patent – Konfirmation, Kreissparkasse Ziegenhain, 24. November bis 11. Dezember .

Quelle: HNA

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