Wieraerin kämpft seit Wochen für eine korrekte Abrechnung ihres Zählerstandes

Protokoll: Die Anrufe bei der Eon haben Marina Textor (links) und und ihre Tochter Katharina zu einer eng beschriebenen DIN-A4-Seite zusammengefasst. Foto: Quehl

Eigentlich wollte Marina Textor aus Wiera nur ihren Stromanbieter wechseln. Nun fast ein Jahr später kämpft die Wieraerin noch immer bei Eon für eine korrekte Abrechnung ihres Zählerstandes:

Wiera. Dass sie mit Briefverkehr, Verträgen und Rechnungen unordentlich umgeht, wäre wohl das letzte, was man Marina Textor vorwerfen kann. Als Industriekauffrau in der Qualitätssicherung eines Schraubenherstellers ist die Frau aus Wiera eine sorgfältige Büroführung gewohnt. Umso mehr ärgert sie, wie ein von ihr ordentlich vorbereiteter Wechsel vom Stromanbieter Eon-Mitte zu einem Konkurrenten einen mehrmonatigen Ärger nach sich zog.

Was war passiert? Marina Textor hatte zum 30. April 2010 korrekt ihren Vertrag bei der Eon gekündigt, um zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Der Wechsel wurde ihr schriftlich bestätigt und „klappte auch reibungslos“, wie die Wieraerin bestätigt. Zwei Wochen später erhielt sie die Abschlussrechnung.

Doch in dem Schreiben war ein Zählerstand notiert, der mit 1000 Kilowattstunden weit über dem zuletzt abgelesen lag. Das entspricht einem Geldbetrag von etwa 200 Euro.

Beim ersten Anruf unter der Service-Hotline der Eon-Mitte erklärte ihr ein Mitarbeiter, dass der Zählerstand geschätzt wurde, da kein Ablesen des aktuellen Verbrauches möglich gewesen sei, erinnert sich Textor.

Sie bat um Korrektur der Rechnung und gab den aktuellen Stand an. Der Eon-Mitarbeiter versicherte, dass in den nächsten Tagen eine neue Rechnung kommen würde. Zwei Wochen später kam die erste Mahnung. Wieder ein Anruf bei der Hotline unter einer kostenpflichtigen 0180-Nummer, wieder das Versprechen einer Mitarbeiterin, dass alles gut wird. Marina Textor gab nochmals den Kilowattstunden-Stand an und ließ die Einzugsermächtigung löschen. Acht Woche später lag erneut Eon-Post im Briefkasten.

„Die neue korrigierte Rechnung, dachte ich, bevor ich den Brief öffnete“, erinnert sich Textor, doch wieder kam eine Mahnung.

Beim dritten Anruf wurde ihr erneut versprochen, die Mahngebühren zu streichen und eine korrekte Rechnung zu senden. Es hätte eine System-Umstellung gegeben und sie möge den Fehler entschuldigen. Das fand die Wieraerin noch in Ordnung, „denn wo Menschen arbeiten, passieren eben auch Fehler“.

Doch zwei Monate später lag wieder eine Mahnung auf dem Tisch - diesmal mit der Drohung, die Stromversorgung einzustellen. Der nächste Anruf bei der Eon-Hotline brachte das Versprechen einer Mitarbeiterin, persönlich zur Abrechnungsstelle zu gehen, um die Angelegenheit zu klären. Aber vier Wochen später kam wieder eine Mahnung.

Entsprechend gab es einen fünften Anruf bei der Hotline, erneut eine Mahnung, und wieder ein Anruf. Diesmal, sagt Marina Textor, sei das Gespräch nicht mehr so freundlich verlaufen und sie habe ihren Frust abgelassen.

Noch immer warte sie auf die korrekte Rechnung. Und auf ein gutes Ende, sagt die frühere Eon-Kundin: „Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“

Eingestuft als säumiger Zahler

Auch Eon-Kunde Rolf-Dieter Hoos ist mit der Betreuung des Energieversorgers unzufrieden. Der Ziegenhainer ärgert sich über seine Jahresabrechnung Gas und Strom, die er am 19. Januar erhalten hatte. Eine darin aufgeführte Überzahlung von 77,89 Euro sollte mit den künftigen Zahlungen verrechnet werden. „Der Abrechnung war aber eine Vorauszahlungsanforderung beigefügt, weil ich ein unregelmäßiger Zahler sei“, wunderte sich Hoos. Wegen seiner säumigen Zahlungen sei eine Mahnung mit Sperrandrohung, ein Inkassoauftrag und ein Insolvenzverfahren vermerkt. „Von alledem ist mir nichts bekannt“, sagt Hoos. Und weil sogar ein Guthaben und kein Minus vorhanden sei, sei die Eon-Forderung unbegründet. (jkö)

Das sagt Eon:

„Das ist ein Fehler und nicht akzeptabel“ Auf HNA-Nachfrage nimmt René Schneider, Pressesprecher von Eon Mitte Vertrieb (Kassel), Stellung zum Ärger von Marina Textor und Rolf-Dieter Hoos: • „Das ist schlecht und nicht akzeptabel“, bedauert René Schneider die wiederholten Mahnungen, die Marina Textor erhalten hat, und bittet die Kundin um Entschuldigung für die Panne. Die korrigierte Abschlussrechnung mit dem geringeren Zählerstand sei in Arbeit und werde sobald wie möglich versendet. Zu erklären sei der dauerhafte Fehler mit einer groß angelegten Umstellung der Computersysteme im Hause Eon, die bereits seit mehreren Monaten laufe. Um gesetzlichen Vorgaben zur Trennung der Bereiche Netz und Vertrieb zu folgen, habe Eon Mitte Vertrieb ein neues Computerprogramm für die Betreuung und Abrechnung der Kunden im Strom- und Erdgasbereich eingeführt. Weil der entsprechende Systemwechsel aber sehr kompliziert sei, könne es in Einzelfällen zu Verzögerungen bei der Beantwortung und Klärung von Kundenanfragen kommen. • „Das Kundenprofil passte nicht, das war ein Fehler“, erklärt René Schneider zur Beschwerde von Rolf-Dieter Hoos. Der Ziegenhainer sei mit einem anderen Kunden verwechselt worden und habe daher ein Schreiben mit unpassenden Formulierungen erhalten. Denn im Gegenteil: Hoos habe stets korrekt gezahlt. Eon-Sprecher René Schneider: „Dafür werden wir uns bei Herrn Hoos entschuldigen.“ (jkö)

Quelle: HNA

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