Zwischenbilanz wird am 15. Juli vorgestellt

Wild braucht Ruhezonen: Erste Ergebnisse des Projekts Klimwald werden vorgestellt

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Fressen Bäume an: Rotwild, wie hier auf dem Bild, das im Wildwald Vosswinkel bei Arnsberg aufgenommen wurde, fressen Bäume an und belasten so die Wirtschaft und schaden dem Wald.

Wolfhager Land. Seit etwas mehr als einem Jahr läuft das Projekt Klimwald, das sich mit der erfolgreichen Klimaanpassung in Kommunalwäldern beschäftigt.

Eingebunden sind neben der Uni Kassel auch Hessen-Forst, die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und die Kommunen Zierenberg, Naumburg, Wolfhagen und Calden. Nun liegen erste Ergebnisse vor.

Dr. Jochen Godt

Dr. Jochen Godt, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie der Uni Kassel, hat sich mit Kollegen dem Thema Wildtiere gewidmet. Unter der Überschrift „Wildtiermanagement: Lösungsansätze zur Reduzierung von Wildschäden“ wird er am Freitag, 15. Juli, im DGH Fürstenwald eine Zwischenbilanz vorstellen. Die wichtigste Rolle spielen darin Rot- und Rehwild, denn die sorgen unter anderem mit Verbiss dafür, dass die Wälder stark belastet sind.

Die Population von Reh- und Rotwild habe in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen, sagt Godt. Dadurch seien immer mehr Bäume durch Verbiss, Fegen (das Reiben des Geweihs an Bäumen) oder Schälen (das Abnagen von Rinde) betroffen. Je nachdem wie stark die Bäume betroffen seien, wenn beispielsweise die Knospen gefressen werden, können Bäume absterben. Für die Wald-Bewirtschafter bedeutet das Einbußen. „Die Wirtschaftswälder sollen Kommunen ja Geld ins Stadtsäckl spülen.“

Unterschiedliche Interessen 

Wie die Ursachen der Schäden beeinflusst und damit die Schäden auch vermindert werden können, hat Godt mit Kollegen erarbeitet. Wenn es um Rotwild geht, sei eine Lenkung innerhalb unterschiedlich genutzter Lebensräume möglich. So könnten Ruhezonen geschaffen werden, während die möglicherweise erforderliche Reduktion des Rotwildbestands durch Jagd an anderer Stelle genutzt werden könne, um sie von waldbaulich sensiblen Bereichen fernzuhalten.

Auch eine Beeinflussung des Leittiers sei möglich. Denn das bestimmt, wo die Gruppe schläft, isst, sich aufhält.

Möglich sei eine Entlastung über eine Lenkung hin zu attraktiv gemachten Bereichen. Das könnten Flächen am Waldrand sein mit dort gezielt angelegten Dauergrünlandbereichen, sagt Wissenschaftler Godt. Gibt es dort ausreichend Nahrung, Deckung und werde dort nicht gejagt, würden sich die Tiere das merken und wieder dorthin zurückkehren.

Das Rehwild lasse sich nicht so leicht lenken. „Ist die Anzahl der Rehe für ein ausgeglichenes Verhältnis zu den waldbaulichen Erfordernissen zu hoch, hilft eigentlich nur die Reduktion“, sagt der 62-Jährige. In den Wäldern der untersuchten Kommunen sei das Rehwild fast überall Zuhause. „Es ist sehr anpassungsfähig. Das Rehwild kann fast jeden Lebensraum für sich beanspruchen.“

Mit allen Akteuren werde am Konzept zum Wildtiermanagement gearbeitet, sagt Jochen Godt. Einfach ist das aber nicht immer, zu unterschiedlich sind die Interessen beispielsweise der Jäger und der Waldeigentümer. Bis April 2017 läuft das Projekt, eventuell wird dann die Umsetzung noch durch die Uni begleitet.

Das Klimwald-Projekt 

Der Klimawandel könnte das Ökosystem Wald überfordern. Wie künftig mit klimatischen Veränderungen umgegangen werden kann, soll im Projekt Klimwald erforscht werden. Dabei stehen waldbauliche Entscheidungen im Mittelpunkt, ebenso das Wildtiermanagement.

Am Projekt sind die Uni Kassel, Hessen-Forst, die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und die Kommunen Calden, Naumburg, Wolfhagen und Zierenberg beteiligt. 30 Monate läuft das Projekt, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird.

Info: Die Vorträge von Dr. Jochen Godt und Vertretern von Hessen-Forst zum Stand des Klimwald-Projekts finden am Freitag, 15. Juli, im DGH Fürstenwald, Weimarer Straße 5, statt. Beginn ist um 16 Uhr.

Quelle: HNA

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