Nachbarin ist sauer

Ärger über verwildertes Grundstück des Landes: Ungeziefer wird angelockt

Hierfür fühlt sich keiner zuständig: Marlies Brandt aus Loshausen zeigt das angrenzende, seit Jahren verwahrloste Grundstück. Fotos:  Rose

Loshausen. Marlies Brandt deutet auf die Fenster der Backstube: „Sehen Sie, hier kann man nur noch mit Licht arbeiten. Der Wildwuchs hat die Fenster erreicht." Sie ärgert sich über ein Grundstück, das dem Land gehört.

Der 64-jährigen Loshäuserin sind die völlig verwachsenen Brombeerbüsche und das Grün hinter ihrem Haus im wahrsten Sinne des Wortes ein Dorn im Auge. „Seit Jahren fühlt sich keiner zuständig“, sagt sie.

Nicht allein der mittlerweile mehrere Meter breite Grünstreifen, auf dem das Unkraut bereits über Kopfhöhe gewachsen ist, stört die Familie, die im Willingshäuser Ortsteil seit 70 Jahren eine Bäckerei betreibt. Direkt angrenzend an ihr Grundstück stehen zwei marode Scheunen, dazu ein Haus. Schon seit über zehn Jahren steht das Anwesen leer. Mittlerweile gehört es dem Land Hessen.

„Es kümmert sich keiner. Und natürlich zieht das Ratten und Mäuse an. Wir sind schon selbst tätig geworden und lassen regelmäßig Fallen aufstellen - schließlich verarbeiten wir im Betrieb Lebensmittel“, sagt Marlies Brandt. Sie wisse nicht mehr weiter. Der für die Immobilie zuständige Mitarbeiter in Kassel habe ihr gesagt, dass er nichts mehr tun könne.

Damit wollen sich Brandts nicht zufrieden geben. Der ursprüngliche Bauernhof sei vor vielen Jahren verkauft worden. Der Käufer habe dort Wohnungen ausgebaut, sich aber bald „ins Ausland abgesetzt“, vermutet die Loshäuserin. So sei die Liegenschaft an das Land gefallen.

In der Scheune hätten sich bereits Waschbären eingenistet, die schließlich auch auf den Dachboden im Haus der Brandts ihr Unwesen trieben. Für mehrere tausend Euro hat die Familie den Boden reinigen und sichern lassen. Sorgen macht sich die 64-Jährige auch um die direkt an den Kundenparkplatz anschließende Mauer. „Sie stürzt bald ein“, ist sie überzeugt.

Wie der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen auf Anfrage mitteilte, habe man einen Ortstermin vereinbart. Ein Fachbetrieb werde die Fläche wieder in Schuss zu bringen. Wie jeder Hauseigentümer habe auch das Land eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht.

Hintergrund

Auf Anfrage der HNA teilte der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) mit, dass es sich bei den beiden Grundstücken in Loshausen um sogenannte Fiskalerbschaften handelt. Das seien Erbschaften, die das Land auf Grund der gesetzlichen Vorgaben nicht ausschlagen darf. Hier habe sich mittlerweile eine Spontanvegetation entwickelt, die jedoch zeitnah und mit Rücksicht auf die Grundstücksnachbarn zurückgeschnitten werde. Im vergangenen Jahr sei ein ortsansässiger Jäger beauftragt worden, der die Anwesenheit etwaiger Waschbären überprüft habe. Seinen Feststellungen nach hätten sich keine Tiere auf den landeseigenen Grundstücken eingenistet.

Quelle: HNA

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