Ein Leben für die Politik

Wilfried Böhm (CDU) war 22 Jahre lang im Bundestag

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Andenken an Bonner Zeiten: Ehemalige Mitarbeiter haben Wilfried Böhm seinen Stuhl und sein Pult aus dem Bundestag geschenkt. Beides steht nun im Flur seines Hauses in Melsungen.

Melsungen. Ein kleines Stückchen Bundestag steht bei Wilfried Böhm im Flur: ein schwarzes Pult und ein dunkelgrün bezogener Klappsessel. Der Melsunger hat sich ein Andenken bewahrt an die 22 Jahre, die er für die CDU als Abgeordneter in Bonn saß.

Die beiden Möbelstücke haben ihm seine früheren Mitarbeiter geschenkt, als der Bundestag nach Berlin umzog und die Bonner Einrichtung weggeräumt wurde. 

Bei dieser Erinnerung belässt es Böhm, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert: Mitmischen will er in der aktuellen Bundespolitik nicht mehr. "Ich möchte den Politikern von heute nicht reinreden", sagt Böhm und schmunzelt, "denn ich habe nicht vergessen, wie unangenehm es damals für mich war, wenn sich die alten Hasen einmischen wollten."

Böhm genießt es, dass er nun mehr Zeit hat für seine Familie: seine Frau Hilta, die gemeinsamen fünf Kinder und die vier Enkel. "Mitglied des Bundestages zu sein, ist schon eine ganz schön stressige Angelegenheit", sagt er rückblickend, "wenn man das ernst nimmt, ist es eine große Aufgabe."

Anfang 30 war Böhm, als er Abgeordneter im Hessischen Landtag wurde. "Ich bin in die Politik gegangen, weil mein Vaterland geteilt war - und ich das unterträglich fand", sagt er. Zuvor hatte er sechs Jahre lang in Flüchtlingslagern gearbeitet und Lehrer, Studenten und Abiturienten betreut, die aus der damaligen DDR nach Westdeutschland geflohen waren. Er half ihnen dabei, sich ein neues Leben aufzubauen.

Die deutsche Teilung - sie blieb bis zur Wiedervereinigung Böhms Thema. Er kümmerte sich um die Zonenrandförderung. "Ich habe mich dafür eingesetzt, dass im Herzen Deutschlands kein Grenzgebiet entsteht" - also kein Gebiet, in dem sich wirtschaftlich nichts mehr tut, erklärt Böhm. Das Herz Deutschlands lag und liegt Böhm am Herzen, weil er dort seine Kindheit verbrachte: In Kassel wurde er 1934 geboren und wuchs dort auf - bis die Stadt 1943 zerbombt wurde. Daraufhin zog die Familie nach Mühlhausen in Thüringen, nicht weit von der hessischen Grenze entfernt. 1950 kehrten die Böhms zurück nach Kassel.

Und trotz Abstechern nach Mittelhessen - in Marburg hat Böhm studiert, in Gießen und Fulda gearbeitet - zog es ihn schließlich wieder zurück nach Nordhessen. Melsungen wurde seine neue Heimat, von hier aus pendelte er mit dem Zug zur Arbeit: erst nach Wiesbaden in den Landtag, dann ab 1972 nach Bonn in den Bundestag.

Es ist ein bewegtes Leben, auf das Böhm nun, an seinem 80. Geburtstag, zurückblicken kann. Feiern wird er am Sonntag mit etwa 70 Gästen in der Melsunger Stadthalle.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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