Er öffnete Schülern die Tür zur Berufswelt

Wilfried Brietzke war 25 Jahre Hauptschullehrer der Burgsitzschule

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Ein Freund des naturnahen Schulhofs: Wilfried Brietzke, pädagogischer Leiter der Burgsitzschule Spangenberg, geht in Ruhestand. Er hat sich dafür eingesetzt, dass ein Teil des Schulhofs naturnah umgestaltet wird, mit Baumstämmen zum Balancieren, mit Rindenmulch, Hügeln und Pflanzen.

Spangenberg. In seinem Beruf gibt es späte Belohnungen. Eine wie diese: Als Wilfried Brietzke, Hauptschullehrer an der Burgsitzschule Spangenberg, kürzlich durch Melsungen spazierte, wurde er von einem Mann um die 40 angesprochen.

„Hallo Herr Brietzke, kennen Sie mich noch? Wir sind mal zusammen durch die Pfalz gewandert.“ Der Mann war ein ehemaliger Schüler und damals mit seiner Klasse und Lehrer Brietzke von Hütte zu Hütte gewandert. Brietzke freut sich, weil diese Erfahrung seinem ehemaligen Hauptschüler auch nach Jahren noch so gut in Erinnerung ist. Zum Schuljahresende geht Wilfried Brietzke in Ruhestand.

Die Schüler

Brietzke ist ein Hauptschullehrer, der seine Schüler wertschätzt, auch die schwierigsten unter ihnen. Denn oft sind es Schüler, die es nicht leicht in der Schule und zu Hause haben. „Aber auch diese Schüler haben Stärken“, sagt Brietzke. Um die herauszufinden, ist er Hauptschullehrer geworden. Mit seiner hemdsärmeligen Art ist Brietzke ein Kumpeltyp, der Zugang zu den Schülern findet. „Als Hauptschullehrer muss man kernig sein und auch mal eine Ansage machen.“ Man müsse bei diesen Schülern auch mal Fehler zulassen, denn sie brauchten Freiheit, um Vertrauen zu fassen. Es sei die Balance zwischen Grenzen aufzeigen und Vertrauen geben, die zu einer stabilen Schullaufbahn und einem guten Start ins Berufsleben führen können. Das sagt ihm seine 30-jährige Erfahrung als Klassenlehrer von Hauptschulklassen.

Die Wirtschaft

Brietzke ist zudem Pädagogischer Leiter an der Burgsitzschule. Und dabei ist es ihm wichtig, auch den schwierigsten Schülern die Tür zur Berufswelt zu öffnen. „Die schwierigsten Schüler sind später oft die loyalsten Mitarbeiter“, hat er festgestellt. Als Pädagogischer Leiter hat Brietzke beispielsweise die Berufsmesse an der Burgsitzschule ins Leben gerufen. Dort können örtliche Firmen mit Schülern Kontakt aufnehmen. Und er hat den Kooperationsvertrag Schule-Wirtschaft mit der Spangenberger Firma Wikus in die Wege geleitet.

„Als Hauptschullehrer muss man kernig sein und auch mal eine Ansage machen"

Am Freitag ist sein letzter Schultag. Mit ihm verlässt der letzte Pädagogische Leiter eine weiterführende Schule im Kreisteil Melsungen. Seine Aufgaben werden künftig im Kollegium verteilt, denn das Kultusministerium besetzt diese Stelle nicht mehr.

Mit Wilfried Brietzke geht ein Macher mit klaren Ansagen und manchmal verrückten Ideen. Manche Schüler sagen ihm: „Schade, dass Sie gehen, Sie sind doch so cool.“ Manche sagen ihm erst nach Jahren, im Supermarkt oder auf der Straße, wie er sie geprägt hat. Das sind für den Lehrer späte Belohnungen.

Zur Person

Wilfried Brietzke, 64, stammt aus Obergude und machte 1971 in Rotenburg Abitur. Er ging zur Luftwaffe, um Pilot zu werden. Als Offizier musste er Unteroffiziere, Feldwebel und Wehrpflichtige in Gesellschaftslehre unterrichten. Nach zwei Jahren kündigte er, um in Gießen Lehramt zu studieren: Mathe und Physik. Sein Referendariat absolvierte Brietzke in Remsfeld. Seine erste Stelle war in Hessisch Lichtenau, wo er später Leiter des Hauptschulzweigs wurde. Seit 1991 ist er an der Burgsitzschule und arbeitet als Pädagogischer Leiter im Schulleitungsteam. Wilfried Brietzke lebt in Melsungen, ist verheiratet, hat drei Kinder und drei Enkel.

Quelle: HNA

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