Energieversorgung - Wolfhager Genossen gegen Partnerschaft mit Eon

SPD will Konzept vor Ort

Heiko Weiershäuser

wolfhagen. Auch die SPD in Wolfhagen lehnt ein Versorgungswerk mit Eon ab. Die Sozialdemokraten sehen hier noch erheblichen Diskussionsbedarf in den einzelnen Parlamenten, um „der Tragweite der Entscheidung gerecht zu werden“.

So heißt es in einer Erklärung. Die SPD setzt sich bundesweit für den Aufbau konzernunabhängiger Strukturen bei der Energieversorgung ein. In dieser Woche hatten sich auch die Genossen in Habichtswald gegen eine Partnerschaft mit Eon ausgesprochen.

„Wie eine geplante langjährige Bindung an die Tochter eines Großkonzerns in dieses Konzept passt, ist bisher nicht einmal ansatzweise erklärt worden“, erklärt der Wolfhager SPD-Fraktionsvorsitzende Heiko Weiershäuser: „Im Gegenteil, das nordhessische Vorhaben passt nun mal ganz und gar nicht zum aktuellen Grundsatzbeschluss der SPD.“

Zwar solle Eon Mitte nur eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent bekommen, „aufgrund der Rahmenbedingungen ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass sie in der Praxis die Zielrichtung des Unternehmens bestimmen kann und das Versorgungswerk keine Aktivitäten unternimmt, die nicht im Sinne des Eon-Konzerns sind“, heißt es weiter. „Und mit der prall gefüllten Portkasse kann die Eon sicher auch versuchen, sich die notwendigen Mehrheiten zu besorgen.“

Eon engagiere sich aktuell in Großbritannien beim Bau neuer Atomkraftwerke. Weiershäuser: Wo Eon draufsteht, ist und bleibt Atom drin.“

Sollte beispielsweise ein Verbund regional verwurzelter, konzernunabhängiger Unternehmen wie die Stadtwerke Union Nordhessen (Sun) zum Zuge kommen, sei bei „gleicher Versorgungssicherheit dagegen eher mit der Schaffung erweiterter kommunaler Kompetenz, Entwicklung eigenen Know-Hows und weiteren, neuen Arbeitsplätzen zu rechnen“. Dass Großkonzerne kein Interesse an dezentraler, regenerativer Energieerzeugung hätten, sei aktuell bei der Diskussion um die Novelle des Erneuerbare-Energien Gesetzes zu erkennen. Auf Druck der Konzerne habe die schwarz-gelbe Bundesregierung die Förderung im Eilverfahren so geändert, dass industrielle Großanlagen wie Offshorewindparks, riesige Biogasanlagen undsoweiter gegenüber kleinen, dezentralen Anlagen immens bevorzugt würden. Dabei arbeiteten gerade die kleinen Anlagen heute schon wirtschaftlich und „bringen die Wertschöpfung in die Region“, so Weiershäuser: „Der viel zitierte Netzausbau der Überlandleitungen kann bei dezentralen Lösungen auf ein deutlich geringeres Maß reduziert werden.“

Für die Sozialdemokraten müsse die zukünftige Energieversorgung „nicht nur umweltverträglich, sondern auch sozial ausgewogen sein, und das geht auf Dauer nur mit dezentralen, konzernunabhängigen Konzepten“.

Die SPD Wolfhagen fordert alle betroffenen Kommunalpolitiker auf, sich vor dieser wichtigen Entscheidung umfassend zu informieren. (awe)

Quelle: HNA

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