Vom Steuerberater zum Geistlichen

Simon Graef wird neuer katholischer Pfarrer in Gudensberg

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Der neue Pfarrer für Gudensberg und Edermünde: Simon Graef, 49-jähriger katholischer Geistlicher, übernimmt ab 1. August die Pfarrstelle der Herz-Jesu-Gemeinde. Im Hintergrund die moderne katholische Kirche in Gudensberg.

Gudensberg. Simon Graef war 33 Jahre alt, als er seinem Leben eine völlig neue Wendung gab. Aus dem Fachmann für Wirtschaftsfragen, der für große Firmen europaweit tätig war, wurde ein Benediktiner-Mönch, Jahre später ein katholischer Geistlicher.

Ab 1. August kümmert er sich um seine neue Gemeinde, denn der heute 49-Jährige wurde vom Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen zum Pfarrer in Gudensberg und Edermünde berufen.

Handwerker arbeiteten in den vergangenen Wochen in dem in die Jahre gekommenen Pfarrhaus in der Fritzlarer Straße in Gudensberg, direkt neben der Herz-Jesu-Kirche. Dort zieht Simon Graef ein, von dort will er die weit verstreut in der Region lebenden Gläubigen betreuen.

In der DDR geboren

Denn darin sieht er seine wichtigste Aufgabe: die Menschen zu begleiten, mit ihnen über ihre persönlichen Befindlichkeiten zu sprechen, ihnen wenn möglich zu helfen. „Das ist es, warum ich Pfarrer geworden bin“, sagt er.

Das war ihm nicht in die Wiege gelegt. Denn Simon Graef, 1964 in Zeitz in Sachsen-Anhalt, der damaligen DDR geboren, wuchs in Thüringen auf. Katholisch war er, weil es auch seine Mutter war, die aus dem Sudetenland stammte.

Sein Glaube spielte jedoch zunächst keine große Rolle. Er erhielt die Firmung, ging aber auch zur Jugendweihe, machte Abitur und studierte Wirtschaftswissenschaften in Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt.

Nach der Wende 1989 war er einige Jahre Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, arbeitete als Steuerberater, auch bei großen Firmen. Er jonglierte mit großen Summen und stellte fest: „Das ist es nicht, was ich wirklich will.“

Statt um das Wohl der Menschen ging es um das von Aktionären. Auf der Suche nach einem Sinn in seinem Leben besuchte er für einige Zeit das Kloster Jakobsberg bei Ockenheim in der Nähe von Mainz und lernte das benediktinische Ideal kennen. „Die Mönche leben im Kloster den Kommunismus, aber sie machen es freiwillig“, erkannte er - im Gegensatz zu seinen Erfahrungen mit dem realen Sozialismus in der DDR.

1999 schließlich trat er in den Benediktinerorden ein und wurde Mönch im Kloster St. Ottilien bei München, einer der größten Benediktinerabteien Deutschlands. Aber es dauerte nicht lange, da war er als Wirtschafts-Fachmann wieder in der Klosterverwaltung gelandet.

Und erneut erkannte er: „Das kann’s nicht sein“ und entschloss sich, Priester zu werden. Im Kloster studierte er Theologie und arbeitete auch schon während dieser Zeit seelsorgerlich.

ollte er nun im Kloster bleiben oder nicht? Simon Graef erkannte damals: „Der Kontakt mit den Menschen ist mir wichtig.“ Der Entschluss reifte, ein Priesteramt zu übernehmen, in einer Gemeinde zu arbeiten, um eine feste Bezugsgruppe zu haben.

2007 wurde er zum Priester geweiht, war ab 2010 im Bistum Fulda zunächst in Hanau, dann Kaplan in Niederaula/Kirchheim. Der Verbund Gudensberg/Edermünde wird seine erste Pfarrstelle sein.

„Hier weiß ich, vor wem ich predige“, sagt er. Die 2500 Gemeindeglieder wird er zwar nicht häufig sehen können, dazu ist das Gebiet zu groß. „Aber als Pfarrer komme ich mit den Menschen in den wichtigen Momenten ihres Lebens dann in Berührung“, hat er erfahren. Das seien intensive Begegnungen.

Wie sich die Arbeit praktisch anfühlen wird in dem Pastoralverbund, wie sich die Gemeinde entwickelt, all das werde die Zukunft zeigen. Simon Graef sieht es gelassen. Er will den Menschen nahe sein, den Alten in den Heimen ebenso wie den Jungen als Ministranten oder in der Schule. Das sei wichtig.

Abschied: Pfarrer Prof. Dr. Patrick Kasaiya, bisher katholischer Pfarrer in Gudensberg wird am 4. August verabschiedet. Er geht nach Freigericht/Gelnhausen.

Vorstellung: Pfarrer Simon Graef wird am 8. September von Dechant Jörg-Stefan Schütz offiziell ins Amt eingeführt.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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