HNA vor 25 Jahren: Eisregen im März, Brandt in Treysa, die Schwalm im Hessenpark

Willy in der Schwalm

Brigitte Herth

Schwalm. Vor 25 Jahren schwälmerte es – nicht nur im Schwälmer Land. Eine Treysaerin holte in München einen Meistertitel, im Hessenpark wurde die Saison mit einem Schwälmer Tag eröffnet, und Willy Brandt ließ sich Schwälmer Spezialitäten beim Landtagswahlkampf in Treysa schmecken. Wir haben für Sie in den HNA-Ausgaben des März 1987 geblättert.

Brigitte Herth aus Treysa holte sich in München den Titel Deutsche Meisterin im Bogenschießen in der Halle. Dafür wurde sie vom damaligen Schwalmstädter Bürgermeister Helmut George geehrt. Die Großhandelskauffrau trainierte in der Turnhalle der Bundeswehr, da es ansonsten in Schwalmstadt keine Trainingsmöglichkeiten gab, sagte Brigitte Herth während ihrer Ehrung.

Der Paragraf 218, der Abtreibungsparagraf, trieb vor 25 Jahren auch die Frauen im Schwälmer Land um. Viele Frauen – und auch einige Männer – waren zu einer Podiumsdiskussion in die Kulturhalle nach Ziegenhain gekommen.

Sanierung für ein 600 Jahre altes Gotteshaus: Die Hospitalskapelle in Treysa sollte für 1,75 Millionen saniert werden, D-Mark natürlich. Das damalige Staatsbauamt Arolsen hatte ein Gutachten angefertigt. Die Untersuchungen hatten ergeben, dass die Mehrzahl der Hölzer für den Dachstuhl vor 600 Jahren gefällt wurden. Damit wurde bestätigt, dass die Kapelle Ende des 14. Jahrhunderts errichtet wurde.

Eisregen im März 1987: Bahnreisende saßen stundenlang auf der Strecke zwischen Treysa und Stadtallendorf fest, es gab Zugverspätungen von bis zu elf Stunden. Ein Regengebiet war übers Schwälmer Land gezogen und hatte sich auf dem gefrorenen Boden in Eis verwandelt. Bäume brachen unter der Eislast zusammen und blockierten Straßen und Bahngleise. Chaotische Zustände gab es auch in den Wäldern, zum Beispiel bei Schönstein. Dort stürzten 80 Jahre alte Buchen auf einer Fläche von drei Hektar um.

Es war Wahlkampf in Hessen, und ein prominenter Redner war zu Gast in der Schwalm: Willy Brandt, der damalige Bundesparteivorsitzender der SPD. Zum Dank gab’s einen Präsentkorb mit Schwälmer Spezialitäten. Und was gab’s beim Buffet? Schwälmer Spezialitäten – serviert von einem Paar in Schwälmer Tracht.

Die Gestütstation Ziegenhain feierte 250. Geburtstag. Die Hengste standen dort noch in denselben Stallungen wie 1737, als Landgraf Friedrich von Hessen in Kassel ein Landgestüt errichtete. Dazu gehörten auch sieben Deckstationen, eine davon in Ziegenhain. Der Preis für die Bedeckung einer Stute betrug vor nun mittlerweile 275 Jahren „zwei Homberger Metzen Hafer und zwei Gebund Stroh“, heißt es in der Verordnung aus dem Jahr 1737. Bis 2005 war dort die Außenstelle des Hessischen Landgestüts Dillenburg. Heute stehen in dem Stall übrigens immer noch Pferde, denn dort ist das Schlossgestüt Ziegenhain untergebracht. Heute gibt’s auf dem Gelände Reitunterricht für Kinder und Erwachsene.

Die Saison-Eröffnung des Hessenparks in Neu-Anspach stand vor 25 Jahren ganz im Zeichen der Schwalm. Es gab Schwälmer Tänze, gezeigt von der Tanzgruppe aus Loshausen, Gedichte auf Schwälmer Platt und ein Schwälmer Schlachtefest – natürlich mit Schwälmer Spezialitäten.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

Kommentare