Windkraft wegen Einspeisevergütung unter Druck

Mächtige Turbinen: Große Windräder mit einer Höhe von fast 200 Metern sollen auch im Schwalm-Eder-Kreis erreichtet werden. Wie sich Veränderungen der Einspeisevergütung auswirken könnten, wird sich voraussichtlich heute nach Verhandlungen in der Großen Koalition zeigen. Archiv-Foto: Zerhau

Schwalm-Eder. Mit Spannung schauen Investoren und Projektentwickler von Windkraftanlagen derzeit auf die Bundesregierung, die am heutigen Mittwoch über die künftige Höhe der Einspeisevergütung für erneuerbare Energien entscheiden will.

Betroffen wären auch Projekte, die für den Schwalm-Eder-Kreis geplant sind. Durch eine Reduzierung der Erlöse sind Ansiedlungspläne aber offenbar nicht grundsätzlich gefährdet. Das ergaben Recherchen der HNA.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte in den vergangenen Tagen Pläne vorgestellt, wonach die Einspeisevergütung von 17 auf zwölf Cent pro Kilowattstunde zurückgefahren werden sollte.

Diese Beträge seien allerdings Durchschnittswerte für alle Formen des Ökostroms, erklärt Helmut Lompe. Der Borkener ist seit Jahren im Geschäft mit der Windenergie. Er betreibt mit Partnern in verschiedenen Beteiligungen 71 Anlagen von der Nordseeküste bis nach Bayern. Sechs Anlagen davon stehen im Gilserberger Hochland, sie werden aufgerüstet. Die neuen Windräder erreichen eine Nabenhöhe von 138 Metern, die alten waren 100 Meter hoch.

Einspeisevergütungen von zwölf oder gar 17 Cent pro Kilowattstunde seien für Anlagen im Binnenland schon jetzt nicht zu erzielen, erklärte Lompe. Die Vergütung liege derzeit bei etwa neun Cent pro Kilowattstunde.

Die sechs aufgerüsteten Anlagen, die künftig im Gilserberger Hochland laufen werden, wären von einer Reduzierung der Vergütung nicht betroffen. Anders sieht das bei Plänen aus, die Lompes Firma etwa für den Gilserberger Wald verfolgt. Dort sollen auf einem Gelände von Hessenforst drei Windräder gebaut werden. Lompe: „Wir hoffen, dass es zu keiner wesentlichen Reduzierung der Vergütung kommt.“ Es gebe keinen großen Spielraum mehr, und die Banken spielten nicht mit, wenn die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei.

Endlich Klarheit erhofft sich Eugen Firus. Er ist Projektentwickler der Firma Ventotec, die im Markwald Beuerholz zwischen Felsberg und Melsungen bis zu neun Anlagen mit einer Leistung von jeweils 2,4 Megawatt bauen möchte. Das Projekt sei auch mit einer geringeren Einspeisevergütung durchgerechnet worden. Es sei eher unwahrscheinlich, dass man komplett aus dem Vorhaben aussteigen werde. Dass es zu Einschnitten kommen würde, sei klar gewesen. Firus: „Wir hätten jetzt gerne konkrete Angaben.“

Der Projektentwickler weist darauf hin, dass bei weitem nicht nur die Einspeisevergütungen den Strompreis steigen lassen. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die Durchleitungsentgelte und der Netzausbau.

„Wir gehen davon aus, dass unser Vorhaben nicht gefährdet ist“, sagt Ralf Lengemann, Büroleiter der Stadt Gudensberg. Sie will gemeinsam mit den Nachbarorten Niedenstein, Edermünde und Baunatal sowie mit der VR-Bank Chattengau und der VEW (Tochter des Energieversorgers EWF) an den Langenbergen einen Windpark erschließen. Über eine Bürger-Energie-Genossenschaft werden sich auch Einwohner der Kommunen beteiligen können. Fünf Anlagen mit einer Höhe von 190 Metern und einer Leistung von jeweils bis zu drei Megawatt sollen entstehen.

Kalkuliert werde bisher mit einer Einspeisevergütung von 8,66 Cent pro Kilowattstunde, berichtete Lengemann. Letztlich gäbe es auch die Möglichkeit, die Einspeisevergütung nicht in Anspruch zu nehmen, sondern den Strom selbst zu vermarkten. Der Aufwand wäre zwar größer, würde sich bei einem solchen Projekt aber wohl trotzdem rechnen.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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