„Wir machen weiter“: Verbot für Veranstaltungen in Wernswiger Pfarrscheune

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Vorübergehend geschlossen: In der Pfarrscheune in Wernswig dürfen derzeit keine Konzerte stattfinden. Die Kreisbauaufsicht hat ein Nutzungsverbot ausgesprochen. Doch davon lässt sich Delf Schnappauf (Foto) nicht beirren. Fotos: Gewert

Wernswig. „Dieses Verbot geht zulasten derer, die sich ehrenamtlich betätigen." Der Mann, der das sagt, ist Delf Schnappauf. Er ist der Initiator der kulturellen Veranstaltungen im Alten Pfarrhaus und der Pfarrscheune 1713 in Wernswig.

Bereits seit 2010 bietet er dort Konzerte, Lesungen, Theaterstücke und mehr an. Doch damit ist jetzt erst mal Schluss - zumindest in der Pfarrscheune. Denn das Kreisbauamt hat ein Nutzungsverbot ausgesprochen, erklärt Schnappauf im HNA-Gespräch.

„Grund dafür ist, dass keine Nutzungsänderung genehmigt wurde und man den Gleichheitsgrundsatz beachten müsse“, zitiert er aus einem Schreiben des Amtes. Damit gibt er sich nicht zufrieden: „Der Gleichheitsgrundsatz wäre zu akzeptieren, wenn er wirklich eingehalten wird.“ Stattdessen gebe es in der Region viele Beispiele dafür, dass Scheunen und Keller für kulturelle Angebote genutzt werden - „ohne das deswegen eine Nutzungsänderung beantragt und genehmigt wurde“, so Schnappauf.

Hinzu komme, dass es sich in der Regel um kurzzeitige Nutzungen und nicht um Dauerausstellungen handele. So zum Beispiel bei Kellerveranstaltungen in Gudensberg, Erntedankgottesdiensten in Scheunen und bei vielen Veranstaltungen mehr.

Schnappauf fühlt sich aber nicht nur mit Blick auf andere kulturelle Veranstaltungsorte benachteiligt: „Vom Gleichheitsgrundsatz und vom Nutzungsverbot ist beim Ärztehaus in Homberg auch nichts zu erkennen. Das ist seit zwei Jahren in Betrieb, ohne das bisher der Bau und der Brandschutz abgenommen wurden“, betont er.

Ein anonymer Brief, der bei der Stadt Homberg einging, habe das Kreisbauamt in Sachen Pfarrscheune auf den Plan gerufen. „Der Brief trägt das Eingangsdatum vom 9. Oktober, dem Tag, an dem die Staatsanwaltschaft das Rathaus durchsuchte und Akten beschlagnahmte“, so Schnappauf. Hintergrund war eine Strafanzeige, die Schnappauf im Zusammenhang mit dem Solarpark im ehemaligen Kasernengelände gestellt hatte. Deshalb vermutet Schnappauf nun einen Zusammenhang und hinter dem anonymen Brief bösen Willen. „Wer diesen Brief geschrieben hat, wollte mich persönlich treffen und trifft stattdessen Menschen, die sich ehrenamtlich für Kultur stark machen. Die werden jetzt ausgebremst.“ Gefallen lassen will sich Schnappauf das nicht. Er hat Widerspruch eingelegt. „Weil ich kein wirtschaftliches Konzept verfolge. Der Raum ist da und ich nutze ihn für Veranstaltungen“, betont er.

Nach und nach habe er das Gebäude saniert. 42 Besucher haben in der Pfarrscheune platz. Einen Architekten habe er beauftragt, die Nutzungsänderung werde beantragt. Auch wenn das zusätzliche Kosten verursache, lasse er sich nicht abschrecken.

„Wir machen weiter“, sagt Schnappauf. Und bis die Veranstaltungen wieder in der Pfarrscheune stattfinden können, werde man in den nahen Betsaal ausweichen.

Nächster Termin: Chansonpoetin Annett Kuhr tritt am Sonntag, 7. September, nicht in der Pfarrscheune, sondern im Betsaal der Alten Pfarrei Wernswig auf. Abendkasse: 10 Euro. Infos: 05684/930026.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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