Anwohner glaubten an Schuss – Jäger hat verletztes Tier mit Messer von Leiden erlöst

Wirbel um ein totes Reh

Todesursache geklärt: Mit einem Stich in die Lunge hat ein Jäger das Rehe, das nicht mehr laufen konnte, erlegt. Foto: nh

Altmorschen. Ein totes Reh hat in den vergangenen Tagen für reichlich Aufregung unter Anwohnern der Finkenstraße in Altmorschen gesorgt. Sie vermuteten, dass das Reh nur wenige Meter oberhalb der Privatgrundstücke erschossen worden war.

Doch das war nicht der Fall, wie Recherchen unserer Zeitung ergaben.

Jagdpächter Bernhard Recker hatte von Achim Hinz, einem Jäger aus Altmorschen, per Telefon erfahren, dass dieser das Reh mit dem Messer durch einen Stich in die Lunge von seinem Leiden erlöst hatte. Das etwa ein Jahr alte Tier war so schwach, dass es nicht mehr aufstehen konnte. Hinz: „Die Hinterläufe waren wie Gummi. Das Tier kam hinten nicht mehr hoch.“

Hinz war von einem Anwohner informiert worden, weil das Reh sich eine halbe Stunde lang überhaupt nicht bewegt hatte. Das war am letzten Januar-Samstag. Ausgemacht war zwischen Recker und Hinz, dass der Jagdpächter am Sonntagmorgen das tote Reh abholen wollte. Doch es lag nicht mehr an den Büschen, wohin es Hinz geschleift hatte. Hinz: „Ich wollte es nicht auf der Wiese liegenlassen.“ Das einzige, was Recker fand: Ein bisschen Blut und ein blutiges Papiertaschentuch.

Aufregung im Dorf

Zwischenzeitlich hatte das tote Wild, das unmittelbar vor einer Hecke lag, schon allerlei Aufregung verursacht. Eine Nachbarin von Günter Görke, der ebenfalls an der Finkenstraße wohnt, hatte das Tier etwa 50 Meter oberhalb der letzten Grundstücke Richtung Wald an einer Hecke entdeckt, niedergestreckt ganz offensichtlich mit einem Blattschuss.

Auch wenn kein Anwohner einen Schuss gehört hatte, so kamen nun Ängste auf, auch die Befürchtung, dass ein Wilderer sein Unwesen treiben und von den Grundstücken aus Richtung Wald geschossen haben könnte. Görke: Dort spielen auch immer Kinder.“ Unerklärlich war: Warum sollte ein Jäger ein erlegtes Tier einfach liegenlassen?

Günter Görke telefonierte herum auf der Suche nach dem Jagdpächter oder dem Jagdausübungsberechtigten, fragte auch bei der Polizei nach. Diese informierte nun ihrerseits einen – anderen – Jäger. Dieser habe sich das tote Reh angesehen, aber keine Verletzungen außer der Wunde,entdeckt, berichtete Günter Görke. Der Mann habe das Tier mitgenommen, es untersuchen und dann zu einem Luderplatz bringen wollen. Das sind Stellen, an denen tote Tiere fürs Raubwild abgelegt wird.

Eigentlich hätte er das nicht tun dürfen, sagt Jagdpächter Recker: „Das ist Diebstahl.“

Quelle: HNA

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