Kunstbetrachtungen: Konrad Nachtwey und seine Gäste zu Besuch bei den Surrealisten

Aus der Wirklichkeit entrückt

Kurzweiliger Ausflug in die Welt der Kunst: Das erleben die Gäste zusammen mit Konrad Nachtwey regelmäßig im Musem der Schwalm. Foto: Rose

Ziegenhain. Max Ernst, Renè Magritte und Salvador Dalí sind Künstler des Surrealismus – einer Bewegung in der Literatur und der bildenden Kunst, die in der Nachfolge von Dada um 1920 in Paris entstand. Für die Künstler stand das Unwirkliche und Traumhafte im Mittelpunkt. Ziel war es, den durch die menschliche Logik begrenzten Erfahrungsbereich durch das Fantastische und Absurde zu erweitern. Den häufig skurril anmutenden und irritierenden Werken widmete sich am Donnerstag Konrad Nachtwey in seiner Reihe Kunstbetrachtungen im Museum der Schwalm.

„Inspiriert wurde die Kunstrichtung von schreibenden Künstlern“, erklärte der Experte. Der französischen Schriftsteller André Breton suchte die eigene Wirklichkeit des Menschen im Unbewussten. Auch Sigmund Freud gab mit seinen Theorien den Künstlern ein Signal, ihre Werke der Wirklichkeit zu „ent-rücken“. Im Kubismus, dessen bekanntester Vertreter Picasso war, habe man die Natur in geometrische Formen gegossen.

Der Dadaismus sei hingegen eine Reaktion auf die Materialschlacht im Ersten Weltkrieg gewesen. Im Surrealismus hätten die Künstler wiederum das Über-Ich aufgegriffen. Max Ernsts Abbildung der Maria, die dem Jesuskind „den Hintern versohlt“ symbolisiere die Inkarnation des Menschenbildes – als Sakrileg sei es jedoch nicht zu verstehen. „Die Surrealisten hatten im Sinn, uns eine andere Wirklichkeit zu zeigen, als die, die wir gespeichert haben“, erläuterte Nachtwey. Insbesondere Ernst habe hierfür neue Techniken entwickelt: Etwa die Frottage, bei der die Oberflächenstruktur eines Gegenstandes durch Abreiben mittels Kreide oder Bleistift auf ein aufgelegtes Papier übertragen wird. Typisch für Ernst sei auch, dass sich in seinen Werken Gegenstände – wie etwa ein Zirkel – wiederfänden, „mit denen er Kunst machte“. „Das Schöne beim Surrealismus ist, dass wir uns aussuchen können, was wir sehen wollen“, sagte Konrad Nachtwey.

• Nächste Kunstbetrachtung am Donnerstag, 24. Mai, 19 Uhr, Thema „William Hogarth – Vater aller Karikaturisten“

Quelle: HNA

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