Dehoga Kreisverband Ziegenhain engagiert sich seit 100 Jahren für Gastronomen

Der Vorstand: Fritz-Otto Wilhelm, Georg Rockensüß, Kerstin Steller, Erwin Siewert, Theresia Liebermann, Horst Kaltschnee und Roland Schimek (von links). Foto: Rose

Schwalm. Unter Gastronomen herrscht auch in der Schwalm ein gewisser Wettbewerb. Gleichwohl sitzen die Wirte, Köche und Servicekräfte mit ihren Sorgen auch in einem Boot: Und das steuert in bewährten Gewässern. 

Vor 100 Jahren wurde im Hotel Zum Stern in Oberaula unter der Regie des Gastwirtes Peter Klebe der Kreisverband Ziegenhain im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband gegründet, kurz Dehoga.

„Die Gastwirte haben damals erkannt, dass man im Zusammenschluss mehr bei Gemeinden und Behörden erreichen kann“, sagt der Vorsitzende Georg Rockensüß. Heute gehören dem Verband 60 Mitglieder an.

Geprägt sei er vor allem durch Beständigkeit im Vorstand: 1946 wurde Heinrich Stumpf zum Vorsitzenden gewählt, 1970 bis 1998 bekleidete Klaus Wilhelm das Amt, seitdem Georg Rockensüß. Vor allem dank Wilhelm sei es aufwärts gegangen. Er organisierte Koch- und Servierlehrgänge, in Fortbildungen lernten die Gastronomen neue Kniffe beim Eindecken und der Dekoration. Das Echo sei damals groß gewesen. Regelmäßig nahmen die Schwälmer Gastronomen im Anschluss an Wettbewerben teil. „Schon in den 1980er-Jahren waren Direktvermarktung und regionaltypische Produkte Themen – auch heute sind sie wieder in aller Munde“, sagt Fritz Otto Wilhelm. Immer habe sich der Kreisverband bemüht, über den Tellerrand zu schauen und das kollegiale Miteinander zu pflegen. Besonders im Mittelpunkt stand das beim Stammtisch, den der Obergrenzebach Gastwirt Hennes Steinbrecher 1970 ins Leben rief. „Ihm ist es gelungen, alle an einen Tisch zu kriegen“, erzählt Theresia Liebermann. 40 Jahre lenkte er die Geschicke der Runde, 2011 verstarb er.

Die Mühle zahlte sich aus: Gemeinsam planten die knapp 30 Betriebe Aktionen, so wurde etwa zum Hessentag 1995 ein Hessentagsteller kreiert. Gemeinsam habe man auch auf politischer Ebene etwas erreichen können. Lange gab es im Kreis die so genannte Schankerlaubnissteuer – eine jährliche Abgabe in Höhe von ein Prozent des Umsatzes. „Das konnte ganz schön weh tun“, sagt Rockensüß.

Veränderte Esskultur

2002 wurde die Steuer auf Initiative des Verbandes abgeschafft. Die Mitglieder machen sich mit ihrer Vertretung auch für den Landesverband stark. Was sich heute gewandelt habe, sei die Esskultur, sagt Wilhelm: „Früher gehörte es zum guten Ton, zum Mittagstisch ins Restaurant zu gehen. Die Essgewohnheiten haben sich geändert. Heute isst man seinen Snack am Schreibtisch.“ Trotz vieler Kochsendungen fehle es an Nachwuchs: „Wir stellen in der Gastronomie jeden elften Ausbildungsplatz“, sagte Wilhelm.

• Das Jubiläum feiern wird der Verband am Montag, 24. Juni, ab 18 Uhr im Hungrigen Wolf in Neukirchen. „Wir wollen auch die Kollegen einladen, die nicht im Verband sind“, erklärt Rockensüß.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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