Vorstoß gegen die Spielsucht: Wirte sind gegen Automatenverbot

Schwalm-Eder. Die Forderung der Drogen- und Suchtbeauftragten der Bundesregierung Mechthild Dyckmans (FDP) nach einem Verbot für Spielautomaten in Gaststätten stößt bei den Wirten im Landkreis auf Unverständnis.

Sie bangen um ihre Existenz. Das zeigte sich bei einer nicht repräsentativen Umfrage unserer Zeitung. Dyckmans werde trotz der Widerstände – auch aus ihrer eigenen Partei – an ihrer Forderung festhalten, teilte ihr Büro auf HNA-Anfrage mit. Dyckmans Begründung: Der Jugendschutz würde in Gaststätten meist nicht eingehalten und Spielautomaten hätten das höchste Suchtpotential beim Glücksspiel. Dem kann Anna Homm, Geschäftsführerin des Bezirksverbands Nord- und Osthessen des Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, nicht zustimmen: „Ein Verbot löst nicht das Problem der Spielsucht“, ist sich Homm sicher. Das Glücksspiel im Internet habe beispielsweise eine ganz andere Dimension, als in den Gaststätten.

Die Gaststättenbetreiber machen sich vor allem große Sorgen um eine lukrative Einnahmequelle: „Ohne Spielautomaten müssten wir die Kneipe aufgeben“, erklärt Rolf Offermann von der Gaststätte Hopfenblüte in Melsungen. „Wir bekommen 30 Prozent des erspielten Gewinns als Provision von den Automatenaufstellern. Das macht einen Großteil der Pacht aus“, sagt Offermann.

Auch Klaus Tauber, Wirt der Gaststätte Zur Alten Mühle in Ziegenhain, ist sauer: „Ich glaube, Frau Dyckmans weiß nicht, mit welchen Problemen wir Wirte zu kämpfen haben.“ Tauber bekommt 300 bis 400 Euro Provision im Monat vom Automatenaufsteller. Annegret Frank von der Sportsbar in Fritzlar ist sich sicher: „Durch solche Forderungen werden auch noch die letzten kleinen Kneipen kaputt gemacht.“ Außerdem würde durch das Rauchverbot in Gaststätten dort schon viel weniger gespielt.

Während Mechthild Dyckmans vom gesundheitspolitischen Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, Unterstützung für ihr Vorhaben bekam, fiel die Reaktion ihrer liberalen Parteikollegen gemischt aus. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, in dessen Ministerium die Drogenbeauftragte angesiedelt ist, distanzierte sich bereits von Dyckmans Vorstoß. Auch Wirtschaftsminister Reiner Brüderle, in dessen Aufgabengebiet die Spielautomaten fallen, ist gegen ein Verbot. Brüderle will aber eine Begrenzung der Geräte pro Kneipe und Höchstgewinne und -verluste vorschreiben. Aus Dyckmans Büro heißt es, dass man von einem Kompromiss ausgehe. (mso)

Quelle: HNA

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