Witze über Behinderte, Lesben und Tunten: Comedian Kay Ray kennt keine Grenzen

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Haarscharf an der Grenze: Kay Ray brach im Wolfhager Kulturzelt Tabus und machte Witze über Lesben, Moslems, Juden und den Papst. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Keine fünf Minuten sind am Donnerstag vergangen, da sind schon derart viele Kraftausdrücke gefallen, dass bereits Wetten laufen, wann wohl die ersten entsetzten Gäste das Kulturzelt vorzeitig wieder verlassen. Warum die Show „Möglicherweise ab 18“ heißt, das fragt sich niemand mehr.

Kay Ray, exzentrisch-extrovertierter Edel-Punk aus Osnabrück, schimpft, meckert und lästert mit einer derartigen Unverblümtheit, dass sich die rund 250 Besucher auf geheimnisvolle Art gefesselt fühlen, ihre Gesichtsfarbe zwischen hochrot und kreidebleich wechseln, sich entsetzt die Hände vors Gesicht halten, um sie Sekunden später mit aller Kraft auf die Schenkel zu klopfen, weil sie das eigene Gelächter anders nicht ertragen können.

Derber geht es fast nicht. Die Lautstärke der Boxen lässt der Mann mit der grünen Sturmfrisur und zweierlei Gummistiefeln zu lilafarbenem Dress nach der Intensität seiner Rülpser einstellen, die er nach reichlich Bierkonsum immer wieder mit einem „Schulz“ ins Publikum schickt.

Es ist haarscharf an der Grenze, was der Herr auf die Bühne bringt. Das weiß er, und erklärt, dass seine Show nur funktioniert, wenn man als Zuschauer nicht die Moral vorneweg schiebe. „Moral ist nichts anderes als ein Mangel an Gelegenheit!“ Moralapostel passen ihm deshalb auch nicht in den Kram, jene Menschen, die zum Popeln Messer und Gabel nehmen. „Wer bis jetzt noch nicht ein einziges mal gelacht hat, zieht besser seinen Arsch über’s Gesicht und guckt durch’s Loch, dann hat er was zu tun.“ Behindertengags zählen noch zu den harmloseren an einem Abend, wie ihn das Kulturzelt in seiner 20-jährigen Geschichte noch nicht erlebt hat. „Was Einarmige im Secondhandladen oder Rollstuhlfahrer im Coffee-to-Go-Shop zu suchen haben, das habe ich nie verstanden.” Political correctness? Geschissen drauf!

Kay Ray bricht lachend Tabus, scheut weder Kitsch noch Klischee, schlachtet „heilige Kühe”, reißt Witze über Tunten, Tanten, Lesben, Moslems, Juden und den Papst. Er macht und will Spaß, mit allen Schikanen. Und dazu gehört, dass er die Hosen fallen lässt und splitterfasernackt mit dem „kleinen Kay“ witzige Tierfiguren baut. Geschmackloser geht es kaum, möchte man denken, bis er die Brille eines Zuschauers auf sein bestes Stück setzt und anscheinend noch einmal unterstreichen will, dass er nicht umsonst als „frechstes Aphrodisiakum des Erdballs“ bezeichnet wird.

Zum vorzeitigen Verlassen des Zeltes bewegt er letztlich niemanden, so sehr er sich während des vierstündigen Auftritts auch müht. Vielleicht gelingt es ihm, wenn er wieder kommt, nach dieser umjubelten Show dann ganz sicher im großen Zelt.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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