Wohl einziger Hebräisch-Kurs im Kreis Kassel wird in Zierenberg angeboten

Unterrichtet Hebräisch: Roland Eise bringt Interessierten in einem Kurs die Sprache fürs Bibelstudium bei. Hauptberuflich unterrichtet er die Sprache am Theologieseminar in Bingen am Rhein. Fotos:  Renner

Zierenberg. Wenn ein „e" auch zum „a" werden kann und Vokale durch Punktationen dargestellt werden, wird es kompliziert. Das können Martina Kolle, Heike Bringmann, Brigitte Wiesweg und Anne Petrossow bestätigen.

Die vier Frauen lernen derzeit Hebräisch in dem wohl einzigen Kurs dieser Art im Landkreis Kassel. Mehrere Bücher hat jede der Frauen vor sich auf dem Tisch liegen, immer wieder schlagen sie Begriffe nach, Hinweise zur Aussprache und übersetzen gemeinsam kurze Texte. „Wer liest mal diese Zeile vor?“, fragt Roland Eise in die Runde. Nur zögernd erklärt sich eine der Frauen bereit, die Aussprache ist schwierig. „Allein um die richtige Aussprache zu beherrschen, müsste man etwa ein halbes Jahr lernen“, sagt der Dozent. Im Kurs liege deshalb darauf kein Schwerpunkt, Eise geht es ums Lesen und Verstehen.

Der 63-Jährige kann ohne zu zögern schwierigste Sätze verstehen und aussprechen. Während des Theologiestudiums lernte der Dörnberger die Sprache Israels, heute unterrichtet er sie am Theologie-Seminar in Bingen am Rhein.

Bibel besser verstehen

Einen religiösen Hintergrund hat auch das Kursangebot in Zierenberg. Denn nicht jeder wolle sich auf Übersetzungen des Alten Testaments verlassen, sondern selbst alles nachlesen, sagt der Theologe. Die Form des Hebräischen, die Roland Eise lehrt, lässt sich allerdings auch nur für die Bibel anwenden. Denn die Sprache, so sagt er, hat sich in einem Zeitraum von gut 2000 Jahren bis heute sehr stark verändert. Eine aktuelle Zeitung könne keine der Frauen nach Abschluss des Kurses im Oktober lesen.

„Ich finde es toll, in eine uralte Sprache einzutauchen“, sagt Heike Bringmann. „Es ist, als würde man hinter einen Vorhang in eine ganz andere Welt schauen“, findet Brigitte Wiesweg. „Ich denke, dadurch kann man die Bibel auch besser verstehen“, sagt Martina Kolle. Sie war bereits in Jerusalem, „jetzt komme ich noch näher ran“. Weil sie fasziniert ist von der israelischen Kultur, mache sie den Kurs mit, sagt Anne Petrossow.

Einmal pro Woche kommen die Frauen für zwei Stunden zum Lernen zusammen, im Anschluss gibt es noch Hausaufgaben. Denn: „Man muss viel üben“, sagt Roland Eise. Auch er selbst blättert täglich in hebräischen Büchern, um fit zu bleiben. Info: Ab September 2016 bietet Roland Eise einen weiteren Hebräisch-Kurs in Zierenberg an, der wahrscheinlich immer donnerstagsabends stattfindet. 25 Kurseinheiten sind vorgesehen, die Teilnahmegebühr beträgt 120 Euro. Anmeldung bei Roland Eise, Tel. 0170 / 888 65 72; www.roland-eise.de

Von Julia Renner

Quelle: HNA

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