Wohnungssuche: Asylbewerber sollen nicht in Gemeinschaftsunterkünften bleiben

Gemeinschaftsunterkünfte sollen nur Übergangsstation sein: Flüchtlinge, die große Chancen auf ein Bleiberecht haben, versucht der Landkreis in Wohnungen unterzubringen. Foto: Archiv

Wolfhagen. Ende Oktober werden die ersten Asylbewerber in die dritte Unterkunft in der Pommernanlage einziehgen. Derzeit laufen die Renovierungsarbeiten in dem ehemaligen Mannschaftsgebäude auf Hochtouren.

180 Flüchtlinge leben bisher in den ersten beiden Gebäuden, in das dritte werden weitere 90 einziehen. Der Kreis entschied sich für diese Lösung, weil der Strom der Flüchtlinge nicht abreißt und die Zuweisungszahlen vom Land erfüllt werden müssen.

Rund 40 Prozent der Asylbewerber, das sind 315, leben aktuell in Privatwohnungen im Landkreis Kassel, 484 in Gemeinschaftsunterkünften. „Die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft ist am Anfang der beste Weg, sich zumindest ansatzweise in unserer Region zu akklimatisieren“, erklärt Jörg Roßberg, der als Fachbereichsleiter Soziales beim Kreis für die Unterbringung und Betreuung der Asylbewerber zuständig ist.

Durch die Betreuung des Landkreises und die Arbeit der Unterstützerkreise würden schrittweise die Voraussetzungen geschaffen, dass die Flüchtlinge selbst eine Wohnung anmieten können. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Mietverhältnisse in Wohnungen zu realisieren, da diese Unterbringungsform die Integration und die Teilhabe am Leben in Deutschland am besten ermöglicht“, so Roßberg.

„Wir suchen deshalb dringend Wohnungen“, appelliert Landkreissprecher Harald Kühlborn an potentielle Vermieter. Bisher habe man damit in Wolfhagen gute Erfahrungen gemacht. Inzwischen würden 40 Aslbewerber in Wohnungen leben. Doch das reicht nicht. „Aktuell fehlt es uns besonders an Wohnungen für alleinstehende Männer.“

Roßberg betonte, dass es eine enge Zusammenarbeit zwischen Vermietern und den zuständigen Betreuern gebe. Schließlich wolle man das Vermieter und Mieter harmonierten.

Der Kreis bittet alle Vermieter, die noch freien Wohnraum zur Verfügungn haben, sich mit Pia Fischer vom Fachbereich Soziales in Verbindung zu setzen (Telefon: 0561/1003-1843 oder per Mail pia-fischer@landkreiskassel.de).

Bei der Unterbringung in Privatwohnungen werden die Mietverträge zwar mit den Flüchtlingen geschlossen, der Landkreis Kassel übernimmt jedoch die Kosten für die Unterkunft.

Hintergrund

Der Kreis kritisiert erneut die nicht ausreichende finanzielle Unterstützung seitens des Landes.

„Die jetzt angekündigte Erhöhung der vom Land an die Kommunen überwiesenen Pauschale um 15 Prozent ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, kritisiert Vizelandrätin Susanne Selbert. Aktuell erhält der Landkreis Kassel 520,97 Euro für jeden zugewiesenen Asylbewerber - ab 1. Januar erhöht sich diese Summe auf 599,12 Euro.

Laut Susanne Selbert wurden damit vom Land nur knapp die Hälfte der anfallenden Kosten übernommen. An dieser Unterfinanzierung ändere auch die überfällige Erhöhung der Pauschalen nichts. (ewa)

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Kommentare