Wolfhager Winterfestival

Kabarettist Django Asül begeisterte im Kulturladen

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Von der großen auf die kleine Bühne: Django Asül erklärt die Welt als Deutscher mit türkischen Wurzeln.

Wolfhagen. Die Griechen haben es ihm angetan. Das gibt Django Asül gleich zu Beginn seines Auftritts im Wolfhager Kulturladen zu. Folgerichtig lautet sein mittlerweile fünftes Soloprogramm „Paradigma“.

„Übersetzt heißt das „Die Sicht auf die Dinge“. Natürlich hätte ich mein Programm auch so nennen können. Aber ich wollte halt gern einen griechischen Titel. Als Deutscher mit türkischen Wurzeln hat das einen ökumenischen Touch“, erklärt der Kabarettist und hat damit die ersten Lacher auf seiner Seite. „Die Griechen haben sich jetzt so in unsere Herzen gespielt. Und außerdem ist Griechenland die Wiege der Demokratie.“

Auch wenn diese von seinen angesäuselten Stammtischbrüdern offensichtlich gar nicht benötigt wird. „Demokratie is a Schmarrn“, geben diese im bayerischen Wirtshaus zum Besten. Dorthin lädt der 40-Jährige die 170 Wolfhager Zuschauer übrigens während der zweistündigen Veranstaltung öfter mal ein, um ihnen illustre Stammtischweisheiten aus der Welt der Politik mit auf den Weg zu geben.

Dem Wolfhager Publikum gefällt es offensichtlich. Es gibt kaum eine Pointe, die nicht laut belacht und eifrig beklatscht wird. Den Nerv der Zuschauer trifft Django Asül auch immer, wenn er in andere Rollen schlüpft. Etwa dann, wenn er den Kopf schief und sein Gesicht in Falten legt, um mit hochgezogenen Augenbrauen den ehemaligen Arbeitskollegen seines Vaters zu mimen. Als Türke mit rudimentären Deutschkenntnissen erklärt dieser Politik und die Welt auf seine ganz eigene Weise. „Musst du gucken morgen Fernsehen“, hatte dieser im Frühjahr des vergangenen Jahres Asül geraten. „Da kommt der Streichzapfen für Wulff. Ist wie Kindergeburtstag mit Bundeswehr.“

Zu überzeugen weiß der Künstler auch, wenn er auf gewohnt unterhaltsame Weise über Lehrer und Schulsysteme referiert. Den Lehrerberuf wolle er lieber nicht näher kennen lernen. „Die Lehrer sind total überfordert. Alte Lehrer saufen, um die vergangenen 30 Jahre zu verkraften. Und die jungen, damit sie die folgenden 30 Jahre aushalten.“ Ein Blick ins Klassenzimmer sei ebenso ernüchternd. „Die eine Hälfte der Kinder ist grantig, die andere migrantig.“ Überhaupt habe G8 Auswirkungen auf das Familien- und das Vereinsleben: „Früher kamen die Kinder aus der Schule, heute aus der Spätschicht.“

Und damit auch die Sicht auf die Dinge nicht zu kurz kommt, verweist der Comedian auf einen jüngst gelesenen Spruch: „Alles hängt mit allem zusammen.“

Von Martina Sommerlade

Quelle: HNA

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