Metzger Flörke schließt nach 56 Jahren

Bald Vergangenheit: Mitarbeiterin Uta Michl und Chef Ludwig Flörke verkaufen bald keine Wurstwaren mehr, die Metzgerei schließt zum Ende des Jahres. Fotos:

Wolfhagen. Vor 56 Jahren öffnete die Metzgerei Flörke am jetzigen Standort in der Schützeberger Straße ihre Pforten. Doch zum Ende des Jahres schließen sich die Türen des Traditionsbetriebes für immer, Ludwig Flörke gibt seine Metzgerei auf.

„Das ist ein letzter und sehr schwerer Schritt“, sagt Flörke wehmütig. Passend zum Datum und der Eröffnung am 13. Dezember 1956 war die Zahl 13 im Leben von Flörke so etwas wie ein ständiger Begleiter, der keinesfalls Unglück brachte: Der 55-Jährige machte am 13. Juni 1984 seine Meisterprüfung, sein 1993 verstorbener Vater Erich hatte am 13. Juni Geburtstag. Von ihm übernahm Sohn Ludwig nicht nur im Jahr 1993 den Betrieb, sondern auch die Originalrezepte für seine Hausmacher Wurstwaren, die bei den Kunden sehr beliebt seien, sagt Flörke.

Damals: Die Umbauarbeiten an der Metzgerei Mitte der 1950er-Jahre.

Begonnen hatte die Familientradition bereits vor etwa 100 Jahren, als Opa Otto Pilger (heutige Firma Raabe) als Metzger in Breuna anfing. Daneben waren seine Großeltern auch in der Landwirtschaft tätig – der Weg von Ludwig Flörke als einziger Sohn in die Fußstapfen seiner Vorfahren zu treten, war vorgezeichnet. Im August 1973 begann er die Lehre im elterlichen Betrieb. Wobei Lehre fast das falsche Wort ist, denn Ludwig konnte „von Klein auf alles“, da er im Betrieb großgeworden ist.

Viel zu verdanken habe er seiner Mutter Emilie, die laut Flörke die „Seele des Betriebes und treibende Kraft“ war. Sie kümmerte sich bis zu ihrem Tod vor drei Jahren um fast alles, ob Wäsche, Kochen oder Buchführung. Seit ihrem Tode habe er alles alleine machen müssen, dies werde ihm langsam zu viel – einer der Gründe, warum Flörke seinen Laden schließt. Es sei heutzutage immer schwieriger für kleine Geschäftsleute, sagt der Wolfhager, außerdem habe er keinen Nachfolger.

Hinzu kämen gestiegene Fleisch- und Energiepreise, die er nicht an seine Kunden weitergeben will. Apropos Kunden: Es gäbe einige Wolfhager, die bereits bei seiner Mutter auf dem Hof ihre Eier gekauft hätten und bis heute die Wurst bei ihm beziehen, sagt der 55-Jährige. Er möchte sich ausdrücklich bei seinen treuen Kunden, Freunden und den über 40 Mitarbeitern im Lauf der Jahre bedanken, sagt Flörke traurig über das nahende Ende.

Kommende Woche wird ein letztes Mal geschlachtet, dann beginnt der Verkauf der verbliebenen Wurstwaren und läutet das Ende einer fast 60-jährigen Metzger-Ära Flörke ein. Von einst 13 Metzgern in Wolfhagen bleiben damit ab 2013 noch zwei.

Quelle: HNA

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