Er wird jeden Tag mit dem Sterben konfrontiert

Wolfhager Bestatter Henning Heinemann: Tod gehört zum Leben dazu

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Von Beruf Bestatter: Henning Heinemann aus Wolfhagen wird täglich mit dem Tod konfrontiert. Ihm ist es wichtig, Hinterbliebenen in den ersten schweren Stunden Zuspruch zu schenken.

Wolfhagen. „Das Leben ist mir wichtiger als der Tod.“ Das sagt einer, der dem Tod von Berufswegen ganz nahe ist: Henning Heinemann aus Wolfhagen ist Bestattermeister.

Der 29-Jährige ist vor einigen Jahren mit in den Betrieb seines Vaters Jochen Heinemann eingestiegen. Dass es eines Tages dazu kommen würde, habe er auf kindliche Weise schon früh gewusst. Als Junge von vier Jahren waren Vater und Großvater seine großen Vorbilder. Also wollte er später einmal machen, was sie taten – Menschen beerdigen.

Seine Sicht auf die Arbeit als Bestatter habe sich über die Jahre hinweg gewandelt, sein Berufsziel allerdings habe er nie aus den Augen verloren. Berührungsängste mit dem Tod hat Heinemann keine, „er gehört einfach zum Leben dazu“.

Schon früh wurde er konfrontiert mit den Aufgaben, die sich aus dem Sterben ergeben. Als Jugendlicher begleitete er seinen Vater bei Fahrten ins Krankenhaus, gemeinsam holten sie die Verstorbenen ab und transportierten Leichname ins Krematorium. „Meine Tätigkeit füllt mich aus. Wenn ich einen guten Job gemacht habe, dann merke ich das an den Reaktionen und der Dankbarkeit der Hinterbliebenen“, sagt der 29-Jährige.

Jeder Sterbefall sei anders, und die Wünsche der Angehörigen seien sehr verschieden. Die einen möchten den Prozess des Abschiednehmens bis ins letzte Detail erläutert haben. Andere dagegen wollen sich lieber nicht in zu vielen Einzelheiten verlieren und vertrauten auf die Erfahrung des Bestattungsbetriebes, der alles richten möge. Einen Anspruch verfolge er aber bei jedem Sterbefall: In den ersten Momenten, wenn die Nachricht vom Tod eines Menschen die Angehörigen kalt erwischt, will er den Trauernden Halt geben, sie gleichzeitig mit Einfühlvermögen und Professionalität empfangen – darin sieht der junge Mann seinen Job.

„In meiner Ausbildung habe ich gelernt, an den richtigen Stellen den Schalter umzulegen“, sagt Henning Heinemann. Und damit meint er, in traurigen Situationen Emotionen und Gedanken beiseite zu schieben. Schließlich sei er als Fachmann und erfahrener Berater gefragt. Also orientiere er sich an den Fakten. Für die Gefühle sei später Zeit.

Heinemann ist in Wolfhagen groß geworden. Er kennt die Menschen, die Menschen kennen ihn. Die Nähe schafft Vertrauen und die Trauernden wissen, dass sie in dem Familienbetrieb mit ihren Fragen gut aufgehoben sind. Diese Nähe ist es aber auch, die seine Arbeit manchmal schwierig macht. „Wenn man die Leute gut kennt, dann ist es mitunter nicht ganz so leicht, den Schalter zu finden, den man umlegen muss.“

Quelle: HNA

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