Brandschützer als Detektive

Wolfhager Feuerwehrleute spürten ehemaligen Einsatzfahrzeugen nach

Recherche über Facebook: Die Wolfhager Feuerwehrmänner Sebastian Swoboda (links) und Dirk Mahlmann vor einem Foto des TLF16/24 (linkes Fahrzeug), das sie im Internet fanden. Typisch sind die extra Scheinwerfer und die Löschkanone, die in Wolfhagen zusätzlich angebracht wurden, als das Fahrzeug noch im Dienst war. Foto: Thon.

Wo sind eigentlich die alten, nach langem Dienst ausgemusterten Feuerwehrfahrzeuge vom Wolfhager Stützpunkt gelandet? Diese Frage beschäftigte einige Wolfhager Brandschützer. Bei ihren Recherchen fanden sie Erstaunliches heraus.

Von Wolfhagen nach Argentinien: Einem LF16/12 ist das gelungen. Das Löschfahrzeug mit einer Pumpleistung von 1600 Litern und einem 1200-Liter-Tank wurde im Jahr 2000 von der Feuerwehr Wolfhagen aus Altersgründen ausgemustert. Seit dem Jahr 2002 ist es in Talpalque im Einsatz, einem Vorort von Buenos Aires. Auch andere Fahrzeuge hat es nach ihrem Einsatz für die Wolfhager Feuerwehr hinaus in die Welt verschlagen.

Erst im Jahr 2011 verließ ein LF8 die Region und wechselte in die Türkei, sagt Gerätewart Dirk Mahlmann. In dem Örtchen Güzelkent, aus dem auch einige in Wolfhagen lebende Türken stammen, ist der inzwischen 31 Jahre alte Wagen stationiert.

In der Nähe von Warschau

Das Tanklöschfahrzeug TLF16/24 hat vor einigen Jahren in Jasienica nahe Warschau eine neue Feuerwehr gefunden. Herausgefunden hat das Feuerwehrmann Sebastian Swoboda vor zwei Jahren. Damals hatte ihn und ein paar Kameraden die Frage umgetrieben, was aus den früheren Fahrzeugen geworden ist?

Ist in Argentinien im Einsatz: Das Löschfahrzeug LF16/12, das die Feuerwehr Wolfhagen im Jahr 2000 aus ihrem Bestand nahm. Das Foto wurde in Wolfhagen aufgenommen. Foto: privat/nh

Entscheidet sich eine Kommune, ein Fahrzeug aus dem Fuhrpark zu nehmen, wird es in der Regel an einen privaten Händler verkauft. So wurde nach 26 Jahren auch die alte Drehleiter ausgesondert. Die Firma Brandschutztechnik Müller in Zierenberg habe sie erworben und weiterverkauft an eine Feuerwehr in Thüringen, erinnert sich Mahlmann. Die Dienstzeit der Fahrzeuge in Deutschland beträgt um die 25 Jahre. Hierzulande sei der Standard hoch, gegenüber anderen Ländern seien die Kriterien härter, nach denen entschieden werde, wann ein Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen wird, sagt Swoboda.

Recherche im Internet

Aus Datenschutzgründen hatte er von den Händlern lediglich die Länder erfahren, in die die Einsatzwagen verkauft wurden. Der Rest war Recherche im Netz. Er habe nach der Marke gesucht. Im Falle des TLF16/24 ist es ein Magirus Deutz 170D11. „In Polen gab es davon nicht so viele. Dort sind eher die Fahrzeuge aus dem Ostblock vertreten“, sagt der Feuerwehrmann.

Irgendwann wurde er bei Facebook fündig. Erkannt hatte er das Tanklöschfahrzeug an der Löschkanone, die in Wolfhagen nachgerüstet worden war. Typisch waren zudem die später montierten Nebel- und Fernscheinwerfer. Und dann gab es noch einen Hinweis: Auf der Fahrertür war das Wolfhager Wappen abgebildet. Seines Wissens ist das inzwischen 39 Jahre alte Fahrzeug noch im Dienst.

Für das Fahrzeug, das nahe der argentinischen Hauptstadt zu Bränden ausrückt, kann er das nicht sagen. Da fehlt ihm die Information. Dass es das 38 Jahre alte Löschfahrzeug nach Südamerika verschlagen hat, wissen die Feuerwehrleute über eine Mail aus dem Jahr 2002. Damals hatten sich die argentinischen Kollegen nach einem Handbuch zum Auto erkundigt. Ein Foto, das das LF16/12 zusammen mit drei Feuerwehrmännern aus Talpalque zeigt, ziert die Pinnwand des Stützpunktes an der Schützeberger Straße. Es zeigt die Fahrertür und das auch dort darauf abgebildete Wappen Wolfhagens.

Quelle: HNA

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