Wolfhager geworden, Waldecker geblieben: Walter Stietz wird 90

Auch mit 90 noch im geliebten Garten aktiv: Walter Stietz freut sich schon jetzt auf die Birnenernte.

Wolfhagen. Man mag kaum glauben, dass er am Donnerstag seinen 90. Geburtstag feiert. Kleinere Zipperlein einmal außen vorgelassen, geht es Walter Stietz im hohen Alter prächtig. Täglich dreht der Stadtführer seine Runde durch Wolfhagen, selbst im geliebten Garten ist er noch aktiv.

„Man muss genügsam leben, wenig Alkohol trinken, gesund essen und das Leben genießen“, verrät der Jubilar sein Jungbrunnen-Rezept. Das Genießen ist ihm in seinem Leben allerdings nicht immer leicht gefallen.

Am 25. Juli 1923 im waldeckischen Freienhagen als eines von fünf Kindern geboren, wächst Stietz in ärmeren Verhältnissen auf. Die kleine Landwirtschaft der Eltern liefert das Nötigste, tatkräftiges Anpacken ist für die Geschwister Pflicht. „Keine beneidenswerte Jugend“, erinnert er sich.

In der Volksschule läuft es besser. Nach sieben Jahren befindet sein Lehrer, er könne aufs Gymnasium nach Arolsen gehen. „Ich muss wohl ein guter Schüler gewesen sein“, sagt er. Das Abitur 1942 in der Tasche, erhält er drei Tage nach der mündlichen Prüfung den Stellungsbefehl für die Wehrmacht. Er muss zur Panzereinheit nach Erfurt, weiter nach Russland. „Ab 1942 war ich an der Ostfront und hatte unendlich viel Glück, selbst als unser Panzer im März 1945 abgeschossen wurde.“ Amerikanische und französische Gefangenschaft folgen, aus der er im Oktober 1946 flüchtet. Acht kräftezehrende Tage verbringt er in einem kleinen Versteck auf einem Zug, um über Saarbrücken und Mannheim zurück in die Heimat zu kommen, wo er als Arbeiter bei der Bahn anfängt.

Wenige Wochen später, Anfang 1947, lernt er seine Frau Marianne kennen. „Es war beim Tanzen, und ich war gleich Feuer und Flamme.“ 1949 dann die Verlobung, am 13. Mai 1951 die Hochzeit und der Umzug nach Ippinghausen in ein neues Leben. Mittlerweile bei der Bahn verbeamtet, führt ihn sein Dienst an verschiedene Orte, auch nach Zierenberg, wo das junge Glück 1954 die Bahnwohnung bezieht. Die Kinder Wolfgang und Angelika werden geboren und Stietz baut für seine Familie ein Haus an der Wolfhager Hans-Staden-Straße.

500 Wanderungen geführt

Nach seiner Pensionierung in 1980 blüht er nochmal richtig auf. In der Geschichte seiner Wahlheimat Wolfhagen geht er als beliebter Stadtführer voll und ganz auf, wie auch in seiner Funktion als Wanderführer im Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein. „Über 500 Wanderungen habe ich angeleitet, gemeinsam mit meiner Frau und den Wanderfreunden außerdem in jährlichen Wanderwochen halb Deutschland erlaufen.“ Davon zehrt er noch heute, wenn er auf sein Leben zurückblickt und sich auf das große Fest zum 90. freut, zu dem er auch seine zwei Enkelkinder erwartet. Nur seine Frau Marianne wird nicht mehr dabei sein. „Sie ist im März verstorben, was nicht leicht für mich ist“, sagt Stietz. „Doch mir bleiben die Erinnerungen an 62 wunderschöne, gemeinsame Ehejahre.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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