Wolfhager Italiener haben keinen leichten Stand beim EM-Viertelfinale

Die beiden Chefs der Pizzeria La Lanterna werden das Fußballspiel Deutschland:Italien nur am Rande verfolgen können: Marleen Timmoneri und Giovanni Vatrini sind Italiener, fühlen sich aber auch Deutschland sehr verbunden. Foto: Gorny

Wolfhagen. Marleen Timmoneri und ihr Partner Giovanni Vatrini haben italienische Wurzeln. Natürlich sind sie auf das Top-Spiel zwischen Deutschland und Italien gespannt.

Aber so richtig verfolgen werden sie die Viertelfinalbegegnung nicht.

Zum einen läuft der Restaurantbetrieb ganz normal weiter. Da bleibt für die beiden und ihr zwölfköpfiges, internationales Personal keine Zeit, Fußball zu schauen: „Wir arbeiten ganz normal. Das Spiel läuft auf einem kleinen Fernseher nebenher“, sagt Timmoneri, während sie auf das Hinterzimmer zeigt, wo der Fernseher steht.

Obwohl sie schon seit 22 und er seit 30 Jahren in Wolfhagen leben, halten sie ihre heimische Tradition aufrecht und führen seit 1997 ein Restaurant mit Eisdiele, seit 2007 in der Schützeberger Straße.

Die beiden freuten sich zwar, dass die Azurblauen schon so weit gekommen sind, aber nun stehen sie „zwischen den Fronten“, so Giovanni Vatrini. Als Italiener, die in Deutschland leben, fühlen sie sich zu beiden Ländern hingezogen.

Auch wenn sie sich wünschen, dass Italien das Spiel für sich entscheidet, fühlen sie sich doch auch mit Deutschland verbunden.

Zumal sie einen gemeinsamen Sohn haben, der am Fußballabend ein Deutschlandtrikot tragen und auf Jogi Löws Team hoffen wird. „Wir sind mittendrin. Man weiß nicht, für wen man sein soll“, erklärt Vatrini.

Island zum Beispiel würde er den EM-Titel von Herzen gönnen. „Die würden sich freuen“, bewundert er die Passion für den Fußball-Sport auf der Vulkaninsel. Aber Italien und Deutschland kann er doch nicht ausklammern: ein waschechter Kultur-Konflikt.

Um diesem Deutschland-Italien-Dilemma zu entfliehen, arbeitet Vatrini. Zum Beispiel am Restaurant-Anbau, den der gelernte Straßenbauer selbst gebaut hat. Jetzt muss er Kabel verlegen, Wände mit Steinen verzieren und viel Zeit investieren, denn er hat eine Menge zu tun. „Wir gucken das Spiel mit einem Auge“, sagt Vatrini. Wenn er den Fernseher auch manchmal gern einfach ausgeschaltet ließe.

Er freut sich jedoch über das Fußballfieber der Deutschen, vor allem seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Dann nehmen Timmoneri und Vatrini gern auch die Sticheleien ihrer vornehmlich deutschen Kunden in Kauf. Denn: „Es ist und bleibt ein Spiel“, sagen sie.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.lalanterna-wolfhagen.de.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare