Größter Berg im Wolfhager Land

Trotz Aussichtsplattform: Bärenberg wird von Touristen gemieden

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Bärenberg bei Burghasungen: Gerade jetzt im Herbst ist eine Wanderung auf den höchsten Berg des Wolfhager Landes absolut lohnend.

Zierenberg. Das Wolfhager Land ist geprägt von seiner hügeligen Landschaft. In einer Serie stellen wir einzelne und besonders charakteristische Berge und ihre Bedeutung für die Menschen in der Region vor. Dieses Mal widmen wir uns dem Bärenberg zwischen Burghasungen und Zierenberg.

An manchen Tagen versteckt er sich gern im dichten Nebel. Nahezu unsichtbar thront er dann westlich von Zierenberg oberhalb der Autobahn und macht sich erst wieder bemerkbar, wenn die Sonne den Dunst langsam auflöst. Dann zeugt als erstes die Spitze des Aussichtsturmes von seiner stattlichen Statur, ist der Große Bärenberg mit seinen gut 600 Metern doch schließlich der größte Berg im Wolfhager Land und der zweithöchste im Landkreis Kassel. Und doch fristet er ein eher trauriges Dasein. Gezeichnet von den Narben, die Sturm Kyrill ihm im Januar 2007 zugefügt hat, wird er von Wanderern und Spaziergängern auf ihren Touren durch die Region oftmals links liegen gelassen.

Das sah in den Siebziger Jahren ganz anders aus, als der Fremdenverkehr in Zierenberg mit Übernachtungsgästen aus dem Ruhrgebiet und aus Holland noch boomte, daran erinnert sich Herbert Rietze genau. „Damals zog es die Besucher in Scharen auf den Berg, die Stadt hatte extra einen 30 Meter hohen Aussichtsturm errichtet“, so der 63-jährige Zierenberger, der seit seiner Kindheit den Bärenberg erkundet und ihn besser kennt, als kaum ein anderer.

An der viereckigen Konstruktion sei damals bereits eine Sendeanlage angebracht gewesen, wie am heutigen Bärenbergturm, der im Frühjahr 1999 etwas unterhalb der 600-Meter-Höhenlinie seinen in die Jahre gekommenen Vorgänger ablöste. Knapp 55 Meter ist er hoch und bietet Besuchern von seiner bei 29 Meter Turmhöhe installierten Aussichtsplattform bis heute einen herrlichen Panoramablick, vorausgesetzt das Wetter spielt mit.

Blick zum Kellerwald

Findet den Bärenberg samt Aussichtsturm auch im Nebel reizvoll: Herbert Rietze.

„Dann kann man über das Wolfhager Land hinaus bis zum Rothaargebirge mit Ettelsberg und Kahlem Asten blicken, bis zum Kellerwald, bei sehr guter Sicht kann man am Horizont sogar den Harz mit Brocken sehen“, schwärmt Rietze, der den Berg nicht nur als Aussichtsplattform schätzt, sondern auch als Anker. „Wann immer ich beruflich unterwegs war und zurück in die Heimat fuhr, habe ich schon aus der Ferne den Turm sehen können und wusste, bald bin ich Zuhause.“

Regelmäßig erwandert er „seinen Berg“, am liebsten vom Wanderparkplatz oberhalb der Autobahn aus. Dort plätschert auch die kleine, gefasste Quelle, die manch Wanderer frisches Nass als Wegzehrung bietet. „Ich selber trinke das Wasser nicht, treffe aber immer wieder auf Menschen, die es sich in Flaschen abfüllen“, sagt Rietze. Gleich hinter der Quelle zeugen steinerne Fundamente noch von einer alten Seilbahn, die bis 1929 Schotter aus dem alten Steinbruch auf halber Höhe am Bärenberg nach unten befördert hat. „Dort, am so genannten Brecher, war die Verladestation.“ Im Wald seien zudem Reste alter Stützpfeiler zu sehen, zumindest dann, wenn sich der Bärenberg nicht gerade im dichten Nebel versteckt.

Hintergrund:

Der kürzeste Aufstieg auf den Berg vulkanischen Ursprungs startet vom bei Zierenberg auf 380 Höhenmetern gelegenen Naturparkplatz Bärenberg an der Autobahn A 44. Gut zwei Kilometer läuft man bis zum Aussichtsturm. Etwa auf halber Strecke lädt am Ende des steilen Asphaltweges eine Holzbank zur Pause ein, bevor man die zweite steile Rampe auf einem Schotterweg in Angriff nimmt, über den man durch Kahlflächen ohne Wald den Turm erreicht.

Von Sascha Hoffmann  

Quelle: HNA

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