Forstamt Wolfhagen will Kernflächen ausweisen, die nicht mehr bewirtschaftet werden

Die Natur nistet sich ein

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Entfaltung: Auf den unbewirtschafteten Flächen können sich Bäume so prachtvoll entwickeln wie diese Buche. Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, will im Habichtswald 400 Hektar solcher Kernflächen schaffen.

Wolfhager Land/Kassel. Hessens Wälder sollen bunter werden. Mehr Arten, mehr Vielfalt an Biotopen. Auf einer Fläche von 20 000 Hektar soll die forstliche Nutzung eingestellt werden. Im Habichtswald und den umliegenden Staatswäldern sollen 400 Hektar Wald Kernflächen werden.

Ziel ist es, seltenen Arten, die auf zerfallende, starke Bäume angewiesen sind, ein Netz von Lebensräumen zu bieten. So kann der Genaustausch verbessert werden, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen.

Daher sind für das Kernflächen-Konzept jene Bereiche interessant, in denen die Artenvielfalt schon jetzt groß ist. Bei ihnen handelt es sich zum Beispiel um Extremstandorte, Wälder mit Buchen, die älter als 180 Jahre sind und Eichenwälder mit Exemplaren, älter als 240 Jahre.

In den vergangenen Monaten hat das Forstamt Wolfhagen eine Vorauswahl an Standorten getroffen, die Ende September über ein Beteiligungsverfahren mit Naturschutzverbänden und -behörden diskutiert werden sollen. Zum Jahresende werden die Kernflächen feststehen.

Isthaberg und Weidelsburg

Aus Sicht von Forstamtschef Zindel eignen sich die Kuppel des Isthaberges bei Istha, das Naturwaldreservat bei Martinhagen, der Bosenberg bei Burghasungen, der Wald unterhalb der Weidelsburg und westlich von Kassel größere Flächen im Bereich Krähnhahn, Asch und Ahnegraben. In diesen Arealen, so Zindel, habe es bereits in den vergangenen Jahren nur eine sehr zurückhaltende Bewirtschaftung gegeben.

Raum für Natur: In ausgesuchten Inseln soll der Wald künftig sich selbst überlassen bleiben. Das Forstamt Wolfhagen will dort die Bewirtschaftung einstellen beziehungsweise weiterhin unterlassen.

„Die Aspekte des Naturschutzes spielen in unserem Handeln eine enorme Bedeutung“, sagt der Forstmann. Neben ökonomischen und sozialen Belangen werde in Hessen zunehmend mehr Wert auf Ökologie gelegt.

Und das mit Erfolg. Der Wald in Nordhessen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem attraktiven Lebensraum gemausert. Der seltene Schwarzstorch findet hier Nistplätze, die Populationen vieler Greife hat sich verbessert. Allein in Hessen wurden über 50 neue Arten entdeckt.

Von den Kernflächen im Habichtswald erhofft sich Zindel eine Stärkung des Eremiten, einem sehr seltenen Großkäfer, der hier heimisch ist.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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