Wolfhager Moritz Engelbrecht pilgerte 775 Kilometer bis nach Santiago de Compostela

In den Weiten Nordspaniens: Moritz Engelbrecht aus Wolfhagen ist auf Jakobsweg gewandert. Foto: privat/nh

Wolfhagen. Ganz allein die 775 Kilometer des Jakobsweges pilgern, mit diesem Ziel brach der damals 19-jährige Moritz Engelbrecht im Juni vergangenen Jahres auf. Im Gepäck nur das Nötigste, um in der prallen Sonne Spaniens zu bestehen.

„Für mich ist es dieser besondere Weg, es kam kein anderer in Frage“, erklärt Moritz Engelbrecht.

Gelaufen ist er täglich, insgesamt fünf Wochen. Dabei lotete er auch die Grenzen seines eigenen Körpers aus. „Ich bin täglich meist acht bis neun Stunden gelaufen und habe dabei immer zwischen 20 und 35 Kilometer zurückgelegt.“ Für den Weg hatte sich Engelbrecht, der zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Gustav-Heinemann-Schule in Hofgeismar ableistet, schon früh entschieden. Stein des Anstoßes war das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling, auch die erfolgreiche Pilgerfahrt seines Kirchenmusikdirektors Bernd Geiersbach bestärkte ihn nachhaltig. Zu Beginn der Oberstufe fasste er dann den Entschluss, den Jakobsweg nur mit Rucksack und Wanderstock zu beschreiten.

Bis ans Ende der Welt

„Meine Freunde fanden es ein bisschen verrückt, haben mich aber immer unterstützt“, erzählt der inzwischen 20-Jährige lachend. Nach den Abiturklausuren ging es dann los, von St.-Jean-Pied-de-Port in Frankreich über die Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela. Am Ende hing er noch einige Tage dran, um bis nach Finistere, dem einst westlichsten Punkt der bekannten Welt, zu laufen. Auch jetzt werde er noch von ehemaligen Mitschülern auf seine Erfahrungen angesprochen. Doch die Pilgerfahrt sollte nicht nur eine Abwechslung zu den überstandenen Abiturprüfungen sein. Moritz Engelbrecht verarbeitete mit ihr auch den Tod seiner Urgroßmutter und die Trennung seiner Eltern. Jeder, der den Jakobsweg pilgere, mache dies aus seinen ganz eigenen, persönlichen Gründen, erklärt er. „Der Weg ist dafür geeignet, zu sich selbst zu finden, egal, welcher Religion man sich verbunden fühlt.“ Unterwegs traf er Menschen aus allen Winkeln der Erde, mit denen er Teilstücke des Wegs gemeinsam zurücklegte und auch jetzt noch Kontakt hält.

Unvergessliche Erlebnisse

In den fünf Wochen sind neben 700 Bildern auch unvergessliche Erlebnisse entstanden. Von diesen hat er auch schon öffentlich berichtet und kann sich gut vorstellen, weiteren Menschen den Jakobsweg näher zu bringen. Aktuell überlege er, sein handgeschriebenes Reisetagebuch zu Papier zu bringen. Doch das kostet Zeit, die er sich nehmen müsste, denn bereits im Spätsommer startet das Lehramtsstudium der Fächer Evangelische Religion, Deutsch und Musik. Auf die Frage, ob er den Jakobsweg wieder laufen würde, hat Moritz Engelbrecht nur eine Antwort. „Ich würde es in 20 bis 30 Jahren auf jeden Fall nochmal machen.“ Unter folgender E-Mail Adresse kann man mit ihm Kontakt aufnehmen: moritz.engelbrecht@web.de

Von Magnus Knoll

Quelle: HNA

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