Interview: Wolfhager Schützen über Auflagen beim Waffenrecht

Verantwortungsvoller Umgang mit Sportwaffen: Der Vorsitzende der Wolfhager Schützengilde, Peter Duplois, und Kreisschützenmeister Hans-Joachim Kuhn am Schießstand am Schützeberger Hof in Wolfhagen. Im Vordergrund liegt eine Trainingsjacke. Foto:  Wüllner

Wolfhagen. Nach Amokläufen und Anschlägen wie in Erfurt, Winnenden und zuletzt Ansbach beginnen immer wieder Debatten um die Verschärfung des Waffenrechts.

Schützenvereine werden unter Generalverdacht gestellt, weil einige Täter oder deren Angehörige Mitglied in einem Schützenverein waren und Zugang zu Sportwaffen hatten.

Kann sich wirklich jeder eine Sportwaffe einfach so besorgen? Welche Auflagen gibt es und welche Kontrollen? Wir sprachen mit Hans-Joachim Kuhn, Kreisschützenmeister beim Schützenkreis 18 - Kassel West, und dem Vorsitzenden der Schützengilde Wolfhagen, Peter Duplois.

Was wird denn beim Sportschießen alles geregelt? Worum geht es da? 

Hans-Joachim Kuhn: Es geht um den Bedarf, den Erwerb, die Aufbewahrung, den Transport und die Benutzung.

Das heißt also, das alles wird genau unter die Lupe genommen? 

Peter Duplois: Da wird sozusagen jeder Stein umgedreht. Nach der Tat in Winnenden dürfen auch nur noch Schießsportverbände einen Bedarf zum Gebrauch einer Sportwaffe bescheinigen. Früher war das der Verein. Vor der Tat in Erfurt sollte gerade das Waffengesetz gelockert werden. Danach standen dann alle Vereine unter Generalverdacht.

Ich kann mich also in Ihrem Verein anmelden und Sie bitten dann den Verband, mir den Bedarf zu bescheinigen?

Kuhn und Duplois (beide lachen): Nein, nein. So geht das nicht. Zunächst mal muss derjenige volljährig sein. Er muss mindestens ein Jahr Mitglied sein und einen Schießnachweis mit regelmäßigem Training in den letzten zwölf Monaten erbringen. Auch die persönliche Eignung muss gegeben sein.

Was bedeutet denn die persönliche Eignung? 

Kuhn: Die persönlichen und charakterlichen Merkmale werden überprüft. Bei Geschäftsunfähigkeit, nachgewiesener Alkohol- oder Drogenabhängigkeit oder psychischer Erkrankung ist die persönliche Eignung nicht vorhanden. Sie müssen ebenfalls nachweislich zuverlässig sein. Das wird auch überprüft. Dazu wird ihr Führungszeugnis angefordert und alle Städte und Gemeinden, in denen Sie in den vergangenen Jahren gelebt haben, werden angeschrieben und zur Auskunft aufgefordert.

Und wenn ich mir vor ein paar Jahren habe etwas zu Schulden kommen lassen, dann war’s das mit einer Waffenbesitzerlaubnis?

Duplois: Genau. Wenn Sie zum Beispiel unter Alkoholeinfluss Auto gefahren sind und ihren Führerschein verloren haben, dann sind Sie eben nicht nachweislich zuverlässig.

Wer überprüft das denn? 

Kuhn: Das macht das Landratsamt in Hofgeismar. Auch die Unterbringung der Waffen wird von dort aus immer wieder stichprobenartig überprüft. Da gibt es ja auch feste Regeln. Munition und Waffen müssen getrennt voneinander in einem zugelassenen Behältnis (Tresor) gelagert werden.

Und wenn das alles geprüft ist, dann hat man Ruhe? 

Duplois: Nein, gar nicht. Jeder muss alle drei Jahre nachweisen, dass die Waffen ordnungsgemäß gelagert werden und die Zuverlässigkeit wird neu überprüft. Auch Vereinsmitglieder, die aus dem Verein ausscheiden, müssen entweder eine neue Mitgliedschaft in einem anderen Verein nachweisen oder aber sie müssen die Waffen verkaufen, abgeben oder sie schussuntauglich machen lassen. Auch das wird überprüft.

Wie erklären Sie sich denn, dass Sportschützen, wie in den genannten Fällen, zu Tätern werden?

Kuhn: So etwas machen nur Menschen, die krank sind. Ein guter Sportschütze kann seine Emotionen erkennen und beeinflussen. Und er kann zielgerichtet handeln. Was sein Körper ihm gerade anbietet, muss er auf den Punkt bringen können. Das sind auch gute Eigenschaften fürs Schul- und Berufsleben.

Duplois: Wir können aber jedem auch nur vor den Kopf gucken. Aber wenn uns etwas auffällt, dann melden wir das sofort, und dann wird der Sache auch nachgegangen.

Kuhn: Menschen sind weitestgehend hilfsbereit und wollen niemandem schaden. Wenn eine solche Straftat passiert, suchen wir nach Erklärungen, um das Geschehene verarbeiten zu können. Nur lässt sich halt nicht alles rational erklären.

Also gelten in Schützenvereinen knallharte Regeln? 

Kuhn: Wir betreiben Sport und sogar Hochleistungssport. Und das sehr verantwortungsvoll. Regeln sind da, um eingehalten zu werden. Und das verlangen wir auch.

Duplois: Wir handeln ganz konsequent und setzen die Regeln durch.

Wie alt muss man denn sein, um Sportschütze zu werden?

Duplois: Anfangen kann man mit zwölf Jahren. Kinder unter zwölf können allerdings auch schon mit Lichtpistole und Lichtgewehr trainieren. Aber eine Waffe besitzen kann man definitiv erst ab 18 Jahre.

Haben Sie eigentlich ab und zu mal Angst, dass es auch ihren Verein treffen könnte? Also, dass aus diesem Verein ein Täter hervorgeht?

Kuhn: Ganz klar nein. Wenn ich diese Angst hätte, dann könnte ich meinen Posten nicht ausüben.

Duplois: Ich habe auch nicht diese Angst.

Informationen zur Schützengilde: www.sgi-wolfhagen.de

Quelle: HNA

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