Wolfhager Stadtkirche: Sieben gotische Schlusssteine werden restauriert

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Neuer Glanz: Restauratorin Monika Hunold trägt mit einem Pinsel aus feinem Rotmarderhaar Farbe auf. Der Schlussstein mit zwei Engeln , die Leidenswerkzeuge, Kreuz und Lanze halten, befindet sich im nördlichen Seitenschiff der Stadtkirche.

Wolfhagen. Seit Tagen schon hat Monika Hunold direkten Kontakt mit Engeln. In der Wolfhager Stadtkirche ist die Restauratorin einer Paderborner Fachfirma gemeinsam mit vier Kolleginnen damit beschäftigt, die Schlusssteine zu reinigen und farblich neu zufassen.

Sieben Schlusssteine mit biblischen Motiven sind es, die vor gut 775 Jahren im Gewölbe eingesetzt wurden, dort, wo die Bögen der Decke zusammenlaufen. Gut zwölf Meter hoch haben sie die Jahrhunderte über den Köpfen der Gläubigen überstanden, auch die Bilderstürmer aus der Zeit der Reformation, denen es wohl zu gefährlich war, die Darstellungen, die zusammen einen Weltgerichtszyklus zeigen, zu zertrümmern.

Wie dunkle Punkte

Heute ist man froh, dass die kostbaren gotischen Kunstwerke erhalten sind. Im Zuge der Innenrenovierung der Stadtkirche, die 2009 begonnen wurde, werden sie nun überarbeitet. Vorgesehen war das zunächst nicht. Nachdem Wände und Decken gestrichen waren, habe man festgestellt, dass die Schlusssteine nun wie dunkle Punkte im Gewölbe hingen, die Darstellungen im sie umgebenden frischen, strahlenden Weiß kaum noch zu erkennen waren, sagt Ursula Muth, Vorsitzende des Kirchenvorstandes.

Grauschleier beseitigt

Mit Skalpellen machten sich Restauratoren daran, die Farbschichten zu erkunden und anhand des Befundes die neue farbliche Fassung festzulegen. Mit Glashaar-Radierern und speziellen Reinigungsmitteln wurde der Grauschleier beseitigt, Staub, der zusammen mit dem fettigen Ruß der Kerzen auf den Farben haftete.

Jetzt also ist man dabei, die neuen Farben aufzutragen. „In der Gotik“, sagt Restauratorin Monika Hunold, „waren die Farben knallig“. Dicht am Stein wirkt die neue Kolorierung ebenfalls kräftig, aber vom Boden aus gesehen, „passt es dann“.

Gut 22 000 Euro kostet die ursprünglich nicht eingeplante Überarbeitung der Schlusssteine inklusive der Voruntersuchung nun extra. Der Kirchenvorstand, so Urusla Muth, hofft auf Sponsoren. Ideal wäre es, wenn sich pro Stein ein Geldgeber fände. Dass die knapp 3000 Euro je Stein sinnvoll investiert sind, wird man schon in der kommenden Woche auch vom Boden aus sehen können. Ab Montag wird im Kircheninneren das Gerüst abgebaut und der Blick frei auf den Weltenrichter, Engel, Heilige und das Jüngste Gericht.

Quelle: HNA

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