Wolfhager wurde von Google Street View auf Kreta abgelichtet

Verewigt auf einer 360-Grad-Ansicht in Google Street View: Karl-Robert Westphal aus Wolfhagen ist im Internet auf einem Panoramabild des Online-Dienstes zu sehen. Das Bild zeigt ihn in seinem Urlaubsort Agia Marina im Nordwesten Kretas. Foto: Thon

Wolfhagen. Der Wolfhager Karl-Robert Westphal urlaubt gern auf Kreta. Wer ihn auf seinem täglichen Weg zur Strandkneipe sehen möchte, hat dazu im Internet Gelegenheit: auf Google Street View.

Blau-weiß kariertes Hemd, luftige Shorts, Schlappen. Karl-Robert Westphal spaziert mit der Zeitung in der Hand die Hauptstraße seines Urlaubsortes Agia Marina auf Kreta entlang. Wer den Wolfhager kennt, erkennt ihn auch in Googles Online-Dienst Street View wieder. Der Anbieter präsentiert im Internet 360-Grad-Ansichten aus der Straßenperspektive. Und auf einer dieser Ansichten ist der große, schlanke Rentner mit dem für ihn typischen Kaiser-Wilhelm-Bart zu sehen.

„Damit ziehen mich meine Bekannten gerne auf. Sie scherzen und meinen, dass ich möglicherweise für den Geheimdienst arbeite.“

Die 15-jährige Tochter eines befreundeten Kneipenwirts hatte die Westphals, die seit 27 Jahren ihren Urlaub auf Kreta verbringen, während ihres jüngsten Aufenthalts im September auf das Foto im Netz aufmerksam gemacht. „Roberto, ich habe dich bei Google gesehen“, sagte das Mädchen. Der 69-Jährige war überrascht und amüsiert zugleich. Denn unter seinen Freunden gilt der Wolfhager als ausgesprochen technikscheu. Smartphone, Tablet, Computer und auch das Internet gehören nicht zu den Dingen in seinem Leben, denen er viel Aufmerksamkeit widmet.

„Damit ziehen mich meine Bekannten gerne auf. Sie scherzen und meinen, dass ich möglicherweise für den Geheimdienst arbeite“, sagt der ehemalige Koch der Kreisklinik Wolfhagen. Bis auf einen Telefonbucheintrag hat Westphal keine Spuren im Internet hinterlassen - zumindest war das bis vor einem Jahr so.

Der Rentner und seine Frau Mariele glauben, dass die Aufnahme im Sommer vergangenen Jahres erstellt worden ist. Im Internet ist das Panoramabild mit Oktober 2014 vermerkt. Die Urlaubstage in Agia Marina folgen einer Routine: Jeden Morgen gegen 11 Uhr läuft Karl-Robert Westphal von seiner Ferienwohnung 500 Meter die Straße hinunter, um in einem Kiosk die Bild-Zeitung zu kaufen. Bei dieser Gelegenheit muss er von den vielen Kameras fotografiert worden sein, mit denen die Google-Fahrzeuge ausgestattet sind, um die Bilder für den Kartendienst aufzunehmen. Mit der Lektüre besucht er eine Strandkneipe, bestellt dort einen Café Frappé, steckt sich eine Zigarette an und schmökert in der Zeitung. „So verbringe ich die Zeit bis zum Mittagessen“, sagt der Wolfhager. In der Taverne trifft er Einheimische und Menschen, mit denen er und seine Frau eine Urlaubsfreundschaft verbinden.

Ungewöhnlich ist, dass Karl-Robert Westphal auf der 360-Grad-Ansicht im Internet eindeutig zu identifizieren ist. Denn Google setzt seit dem Jahr 2008 auf Grund von Datenschutzbestimmungen eine spezielle Software ein, die nach Gesichtern von Passanten und nach Kennzeichen von Fahrzeugen sucht und unkenntlich macht. Allerdings weist der Anbieter darauf hin, dass vereinzelt Person durchs Raster fallen könnten.

Der Wolfhager nimmt es gelassen. Fast wirkt er sogar ein wenig glücklich darüber, nun ein Dokument im Internet zu haben, das ihn auf seiner Lieblingsinsel im Mittelmeer zeigt.

Quelle: HNA

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