Vor fast 25 Jahren explodierte das Atomkraftwerk in Tschernobyl – Ein Rückblick

Wolke war auch über uns

Stoppt den Wahnsinn – sofort: So lautete die Forderung von Demonstranten, die am 4. Mai 1986 in Emstal gegen Kernkraft auf die Straße gingen. Archivfotos: nh

Wolfhager Land. Als die Medien in Deutschland vor 25 Jahren zuerst vom Unglück im Atomkraftwerk von Tschernobyl berichteten, hatten erste radioaktive Staubwolken längst unsere Region erreicht. Die Katastrophe, die am 26. April 1986 um 1.24 Uhr im Inneren von Block 4 des Lenin-Kraftwerks in der Ukraine (damals Sowjet-Union) begann, hatte Auswirkungen auch auf die Menschen im Altkreis Wolfhagen.

Der damalige Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, Kerschgens, hatte in Kassel kurz nach Bekanntwerden der Explosion gefordert, alle Kernkraftwerke in der Bundesrepublik „so schnell wie möglich stillzulegen“.

Als Folge der Reaktorkatastrophe trafen Behörden am 2. Mai Vorsorgemaßnahmen, um die radioaktive Belastung zu verringern. So gab es Beschränkungen bei Milch, Frischfutter und Importen, berichtete die HNA.

Am 4. Mai titelte unsere Zeitung: „Bei Regen besser nicht ins Freie“. Das hessische Sozialministerium empfahl zudem, Kinder nicht auf Wiesen und in Sandkästen spielen zu lassen. Im evangelischen Kindergarten Niederelsungen zum Beispiel durften die Kinder nicht raus. Die Leiterin Birgit Czok hatte erklärt: „Die Verantwortung, die Kinder ins Freie zu lassen, ist mir wegen der Warnungen durch Radio und Fernsehen zu groß.“

In Emstal gingen Menschen mit Plakaten auf die Straße, um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Nachdem am 5. Mai die Empfehlung des Kreisgesundheitsamtes Wolfhagen herausging, Spiel- und Sportplätze zu schließen, wurden die Plätze im Altkreis dicht gemacht. Der Vorsitzende des SSV Sand, Christian Schmidt, befürchtete erhebliche finanzielle Einbußen, stand doch ab dem 10. Mai das neuntätige Turnier „Fußball total“ auf dem Sportplatz des Vereins an. Ein Sprecher des Wolfhager Forstamtes hatte mitgeteilt, dass im Wald Bodenuntersuchungen stattfanden.

In einer HNA-Umfrage hatte eine 33-Jährige gesagt: „Das Schlimmste dabei ist, dass einige Politiker sagen, sowas könne bei uns nicht passieren.“ Ein 68-jähriger Wolfhager kritisierte, dass die Bevölkerung zu spät informiert worden war. (sdl/joc)

Quelle: HNA

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