Die evangelische Kirchengemeinde und die Hospizgruppe St. Martin bieten ein Trauercafé in Neukirchen im Gemeindehaus an

Aus Worten soll so Wärme werden

Koordinieren das Angebot: Pfarrerin Nora Dinges, Irene Bernhard, Jürgen Kramer und Astrid Schmidt-Bartsch (von links). Foto: Rose

Neukirchen. Astrid Schmidt-Bartsch und Irene Bernhard decken den Tisch für Menschen, die miteinander reden, vielleicht auch schweigen möchten: Die Frauen koordinieren ein neues Angebot der Hospizgruppe St. Martin und der evangelischen Kirchengemeinde. Im Gemeindehaus im Muhlsweg wollen sie ab heute, 5. Dezember, jeden ersten Donnerstag im Monat ein Trauercafé einrichten.

Unter dem Motto „Brunnen der Kraft“ sind all die Menschen herzlich willkommen, die um einen Menschen trauern – egal, ob erst seit Kurzem oder seit längerer Zeit. Platz soll auch sein für Angehörige, die gerade auf dem letzten Weg begleiten. Die Idee entstand vor dem Hintergrund der Hospizgruppe, die bereits seit einigen Jahren im Knüll ehrenamtlich tätig ist. „Das Angebot ist ein weiterer wichtiger Baustein“, sagt Jürgen Kramern vom Pflegeheim St. Martin.

Irene Bernhard und Astrid Schmidt-Bartsch haben sich fortgebildet. Sie wissen und spüren, wann es Zeit zum Reden oder eben auch zum Schweigen ist. Das Angebot sei aber nicht allein auf Neukirchen begrenzt, erklärt Pfarrerin Nora Dinges, sondern überregional zu verstehen. Infoblätter liegen bereits bei Ärzten, in Apotheken, bei den Pfarrern und in Kirchen der Region aus. Miteinander ins Gespräch zu kommen, ist den beiden Frauen ein echter Herzenswunsch: „Aber wer das nicht in großer Runde tun möchte, der hat auch die Möglichkeit, das zuhause zu tun. Wir kommen auch zu einem Gespräch“, erläutert Bernhard. In der erste Phase sei Trauer meist von Geschäftigkeit überlagert, so dass Trauernde erst danach wirklich realisierten, was es bedeute, einen Menschen zu verlieren, hat Schmidt-Bartsch die Erfahrung gemacht. Es komme auch vor, dass aufgrund eines Trauerfalls das soziale Gefüge wegbreche, weil Freunde mit dem Umgang des Trauernden überfordert seien. „Das soziale Gefüge im Sinne von großen Familien und einer guten Nachbarschaft ist heute häufig instabil. Das Netz, das auffängt, fehlt“, bestätigt Jürgen Kramer.

Deshalb habe man sich entschieden, das Angebot offen zu gestalten. „Ich kann auch zunächst einfach mal zum Kaffeetrinken kommen“, erklärt Bernhard. „Dabei merke ich vielleicht, dass es mir nicht allein so geht.“ Die Trauerbegleiterin hat in ihrer Fortbildung vor allem gelernt, zuzuhören. „Aufmerksam sein, diskret, nie fordernd.“

Neue Impulse geben

Das Trauercafé soll die Möglichkeit des Austauschs eröffnen, Impulse geben, vielleicht auch Türen zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten öffnen. Astrid Schmidt-Bartsch erklärt ihre Motivation des Engagements so: „Ich kümmere mich gern. Denn es ist sehr beglückend, was von Menschen zurück kommt.“ Für Irene Bernhard war es auch ein Stück weit Selbsterfahrung, sich für die Fortbildung zu entscheiden: „Ich wollte lernen, wie ich in Gesprächen noch andere Worte finden kann.“ Von den Worten bleibe etwas ganz Wesentliches übrig: „Wärme.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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