Wünsche bleiben Wünsche: Asylbewerber leben am Existenzminimum

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Am Existenzminimum: Die Söhne Sahil, Mohammed Sufian und Sagher sowie Mutter Nasrin Akhtar Sadik mit dem Einkommensbescheid vom Landkreis Schwalm-Eder. Auf dem Bild fehlen die Töchter Ayisha und Rukhsaar.

Treysa. Allein mit ihren fünf Kindern war Nasrin Akhtar Sadik 2009 nach Deutschland geflohen. Weil sie zuhause in Pakistan die Auseinandersetzungen und schweren Probleme mit ihrer Familie nicht mehr ertragen konnte, beantragte sie für sich und ihre Kinder Asyl, verbunden mit der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Nun lebt die Familie in einer Wohnung in Treysa, mehr als 5000 Kilometer entfernt von ihrem Heimatland.

Hier steht sie, wie alle anderen Flüchtlinge auch, vor einem neuen Problem: Gerade mal knapp 1100 Euro hat die sechsköpfige Familie jeden Monat zur Verfügung. Bezahlt werden muss davon nahezu alles: Kleidung, Lebensmittel und Möbel. Ausgenommen ist nur die Miete für die Wohnung.

„Es ist schwer, ich muss viel rechnen, damit wir über die Runden kommen“, sagt die alleinerziehende Mutter.

Was für andere Familien selbstverständlich ist, darauf müssen die Sadiks verzichten. An Schulausflügen konnten die Kinder oft nicht teilnehmen, da der Landkreis vor Einführung des Bildungspakets nur Schulausflüge übernahm, die innerhalb des Schwalm-Eder-Kreises stattfanden. Selbst bezahlen konnte die alleinerziehende Mutter die Klassenfahrten nicht. Die Folge: Die Kinder wurden vom Schulausflug ausgeschlossen.

Aber auch im Alltag fällt es Nasrin Akhtar Sadik oft schwer, ihren Kindern Wünsche zu erfüllen. „Kleidung ist für uns sehr teuer. Wenn alle fünf Kinder auf einmal neue Schuhe oder T-Shirts brauchen, ist das nicht bezahlbar“, sagt die 46-Jährige. Auch bei Lebensmitteln müsse sie immer auf den Preis schauen. Meist kaufe sie Sonderangebote, um Geld zu sparen.

Ihren Kindern Wünsche abzuschlagen, bringt die Mutter meist nicht übers Herz. Lieber verzichte sie auf etwas, um den Kindern einen Wunsch erfüllen zu können. Trotzdem sie jeden Euro zweimal umdrehen muss, ist es Nasrin Akhtar Sadik wichtig, dass es ihren Kindern an nichts fehlt. Hilfe erfährt sie dabei von Freunden und Bekannten. So bekam die Familie zum Beispiel vom Vormieter einen Großteil der Einrichtung geschenkt.

Geld vom Landkreis

Das Geld bekommen die Sadiks vom Landkreis Schwalm-Eder zugeteilt. Jeden Monat wird der Bedarf für die Familie neu berechnet. Unterschiede bleiben aber aus. Meist sind es 1100 Euro, mit denen sie auskommen müssen.

An das Leben in einem anderen Land haben sich die Kinder gut gewöhnt: Sie gehen zur Schule und bekommen dort zusätzliche Sprachförderung. Freunde haben sie auch gefunden, sagt der neunjährige Sahil.

Angefeindet wegen ihrer fremden Herkunft werden sie nicht. „Wir leben gern hier, auch wenn es hart ist, über die Runden zu kommen“, sagt die 46-Jährige. (dag)

Quelle: HNA

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