Mit Wünschelruten und Pendeln

Grenzwissenschaftler spüren verborgene Energiequellen nach

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Bloß nicht zu ernst: Mit Wünschelruten und Pendeln zogen Mitglieder des Forums für Grenzwissenschaften und Kornkreise hinauf auf den Hohen Dörnberg, um Energiequellen aufzuspüren. Geführt wurden sie von Heimatforscher Klaus Fröhlich (Mitte).

Zierenberg . Der Blick der 20 Frauen und Männer wendet sich dem Hohen Dörnberg zu. Klaus Fröhlich aus Dörnberg, der jeden Stein und jeden Grashalm kennt, wird an diesem Nachmittag die Gruppe hinaufbegleiten. Keine Wanderstöcke halten einige der Teilnehmer in Händen, sondern Wünschelruten und Pendel.

Zwei Tage lang hatte das Forum für Grenzwissenschaften und Kornkreise (FGK) in Zierenberg getagt. Nun, zum Abschluss, wollten sich passionierte Rutengänger den mystischen Berg oberhalb der kleinen Stadt vornehmen, dem Boden der Hochfläche nicht sichtbare Geheimnisse entlocken.

Zierenberg-Fan: Frank Peters aus Hude bei Bremen organisiert seit vielen Jahren regelmäßig Tagungen der Grenzwissenschaftler in Zierenberg.

Heimatforscher Fröhlich kennt keine Berührungsängste mit den FGK-lern, die sich auf sympathische Weise durchaus auch mal selbstironisch betrachten. Man kennt sich längst. Über die örtliche Geschichte hat Fröhlich bei den regelmäßigen Tagungen der Grenzwissenschaftler in Zierenberg schon mehrfach referiert. Und überhaupt, der Dörnberger hält es mit dem Dramatiker William Shakespeare: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt.“ FGK-Initiator Frank Peters zitiert da lieber den deutschen Chemiker Justus von Liebig (18. Jahrhundert): „Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.“

Also marschieren sie los, die Rutengänger und ihre Begleiter, staunen nicht schlecht über die unerwarteten Anstrengungen beim Aufstieg aufs Plateau. Hier, wo andere Wanderer üblicherweise ihr Ziel erreicht haben und beim Genuss des Panoramas überwältigt verharren, geht für diese Bergbezwinger die Arbeit erst los. In sechs Felder wird die Hochfläche aufgeteilt, jedes ein kleines Forschungsgebiet für das halbe Dutzend Rutengänger. Dass exakt auf diesem Terrain, dem vermuteten Sitz einer Keltenburg vor rund 2600 Jahren, schon Archäologen der Universität Mainz 2008 und 2009 wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen haben, widerspricht den Bemühungen der Grenzwissenschaftler nicht. Im Gegenteil: Es geht um ein Experiment.

Sie, die Energiequellen aus dem Erdreich aufspüren wollen, tragen ihre eigenen Funde nun fein säuberlich in Ergebnisbögen ein. Die füllen sich schnell, denn die V- und Winkelruten haben häufig ausgeschlagen. Wo genau, das markieren die Geomantiker auf einer Karte. Sie sind überzeugt, neben Wasseradern auch einen Heilplatz und einen Steinkreis entdeckt zu haben. Das Spannendste aber kommt noch. Zu einem späteren Zeitpunkt wollen die FGK-ler und Klaus Fröhlich die kartierten Wünschelruten-Funde mit den real-wissenschaftlichen geomagnetischen Suchergebnissen der Mainzer Archäologen abgleichen. Nicht ausgeschlossen, dass die Grenzwissenschaftler an ihre Grenzen gestoßen sind. Auch dann wird Heimatforscher Fröhlich der Humor nicht vergehen. „Wenn sich beim Vergleich herausstellt, dass unsere Ergebnisse nichts als Mumpitz waren, na und …“

Von Dorina Binienda-Beer

Quelle: HNA

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