Wetterdienst, Investor und Gemeinde verhandeln über Station

Wüstegarten: Turm soll Radar weichen

Monument in der Winterlandschaft: Martin Siebert aus Jesberg hat den Kellerwaldturm vor einigen Jahren in der Winterpracht auf dem Wüstegarten fotografiert. Foto:  Siebert/nh

Jesberg. Der Kellerwaldturm am Wüstegarten soll von einer Wetterstation ersetzt werden, die zurzeit noch bei Diemelsee-Flechtdorf steht.

Der Wiesbadener Investor ABO-Wind möchte diese Station gerne verlegen lassen: Denn erst wenn das Wetterradar an anderer Stelle steht, könnten rund um Korbach, Diemelsee und Willingen neue Windenergieflächen ausgewiesen werden.

Bislang geht das nicht, denn die Rotation der Windräder stört die empfindlichen Messgeräte des Deutschen Wetterdienstes bis zu einem Umkreis von fünf Kilometern.

Deshalb machten sich die Fachleute auf die Suche nach einem neuen Standort für das Wetterradar - und wurden auf dem hochliegenden Jesberger Wüstegarten fündig. Der Deutsche Wetterdienst, Hessen-Forst und das Unternehmen ABO-Wind verhandeln zurzeit darüber, ob und wie eine Verlegung möglich ist - und vor allem auch darüber, was das kostet.

Weitere Windräder 

Diese Kosten würde das Wiesbadener Unternehmen ABO-Wind übernehmen - wenn dadurch neue Windparks entstehen könnten. „Wir gehen das Projekt aber nur dann an, wenn wirklich weitere Windparks genehmigungsfähig sind“, sagt Alexander Koffka, Pressesprecher von ABO-Wind.

Diese Genehmigungen aber liegen noch nicht vor: Das Unternehmen habe die Bauanfrage bereits gestellt, jetzt müsse noch der Naturschutz signalisieren, dass er kein Veto einlege, sagt Alexander Koffka, dann stehe sein Unternehmen quasi in den Startlöchern.

Eine legt bestimmt kein Veto gegen die Idee ein, den Wetterturm auf dem Wüstegarten zu positionieren: Die Gemeinde Jesberg. Denn die, sagt Bürgermeister Günter Schlemmer, würde damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen - und das auch noch zum Nulltarif.

Denn wenn der hölzerne Kellerwaldturm ab- und der stählerne Turm der Wetterstation aufgebaut würde, wäre die Gemeinde erstens den maroden Holzturm los und könnte zweitens noch das Wetterradar als neuen Aussichtsturm mitnutzen.

Der Tausch der beiden Türme böte die Chance auf eine ganz neue Touristenattraktion in Jesberg, sagt Schlemmer. Wenn der Wetterturm mit einer Außentreppe und Plattformen versehen würde, hätten die Gemeinde Jesberg und der Naturpark Kellerwald-Edersee ein neues Highlight.

Der Deutsche Wetterdienst ist dieser Idee gegenüber gar nicht abgeneigt. Der Gedanke, eine Messstation mit touristischen Aspekten zu verknüpfen, sei zwar neu, aber doch interessant, sagt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Es gebe 17 Wetterstationen in Deutschland, doch eine jede sähe anders aus: Manche bestehen aus Stahl, andere aus Beton, die nächsten aus Gittermasten.

Lux hält die Idee, eine Wetterstation mit Weitblick einzurichten, für eine gute Gelegenheit, zugleich auch die Arbeit des DWD vorzustellen: Denn es sei schließlich auch Aufgabe des Wetterdienstes, Transparenz zu schaffen. Die neue Messstation würde eine gute Gelegenheit dafür bieten. sagt er. Denn eine solche Plattform würde nicht nur weite Ausblicke in die Landschaft ermöglichen, sondern mit Informationstafeln auch viele Einblicke in die Arbeit des Wetterdienstes bieten.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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