Kultursommer Nordhessen: Zuschauer erlebten temporeichen „Don Quichotte“

Wunderbarer Wahnsinn

Urkomisch: Christiane Weidringer und Klaus Michael Tkacz schlüpften in viele Rollen.

Treysa. Ein wahrhaft wahnwitziges Theaterstück war den Gästen beim Kultursommer Nordhessen am Samstag in der Totenkirche angekündigt worden. Und genau das erlebten die knapp 100 Zuschauer bei „Don Quichotte“ dann auch. Tempo, Wortwitz und die hohe Kunst der lockeren Improvisation – das war die Mischung, die die Erfurter Schauspieler Christiane Weidringer und Klaus Michael Tkacz in Perfektion auf die Bühne brachten.

Ein wirklichkeitsfremder Verrückter, ein Ritter der 200 Jahre zu spät kommt. Oder doch ein Held, der den Mut hat so zu sein wie er will – der all die ungläubigen Zweifler, all die traurigen Realisten mit hineinzieht in seinen wunderbaren Wahnsinn. Am Schluss gibt Don Quichott sich geschlagen, er gibt sogar selbst zu, dass alles nur erdacht war. Aber da ist es schon passiert, da hat er schon alle angesteckt mit seiner Phantasie.

Ein Theaterensemble aus Kasachstan geht mit dem Cervantes-Epos auf Tournee. Doch plötzlich stehen Regisseur Igor und seine Frau, Bühnenbildnerin Olga, alleine da: Die komplette Truppe hat bei Nacht und Nebel das Weite gesucht. Die Vision, mit dem Theater nach Spanien zu reisen, scheint unerfüllbar. Da hilft nur eins – improvisieren. Olga und Igor beschließen, mit allem, was noch übrig ist, weiter zu spielen. Was geblieben ist? Ein paar Instrumentenhüllen aus Filz und zwei fahrbare Sackkarren.

Und so beginnt der heiter-amüsante Zweikampf zwischen dem Außenseiter Don Quichotte, der sich einbildet, ein fahrender Ritter zu sein, seinem Schildknappen Sancho Panza, der seinem wirren Herrn stetig die Treue hält, und zwischen der kreativen Olga und dem zerstreuten Igor. Mit Leichtigkeit und Spielfreude schlüpfen Weidringer und Tkacz im Minutentakt in die Rollen: Herzzerreißend komisch wechseln sie zwischen russischem Dialekt und feinem Hochdeutsch, wird die Angel zur Lanze, der Hammer zum Schwert. Wahnwitziges passiert im selben Tempo mit dem Bühnenbild. Aus der Sackkarre wird das Gasthaus, die Leiter zum sich bedrohlich drehenden Windmühlenrad. Zu zweit wirbeln sie über die Bühne und sind wie Don Quichotte: Stehaufmännchen, die mit den Waffen der Fantasie gegen Windmühlen und Weinschläuche kämpfen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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