Denkmal wurde 1933 entfernt

Lange vergessen: Der Davidstern auf dem Marktplatz in Wolfhagen

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Erinnerungen an deutsche Soldaten jüdischer Abstammung: Das Bild zeigt einen Davidstern am Markplatz in Wolfhagen (unten rechts) im Jahr 1924. Der Stern wurde von den Nazis 1933 entfernt.

Wolfhagen. Ernst Klein hat mit einem Bild überrascht, das den Marktplatz in Wolfhagen mit einem großen Davidstern, ein Symbol des Volkes Israel und des Judentums, zeigt.

Ernst Klein

In Kleins Vortrag vom Arbeitskreis Rückblende - gegen das Vergessen (Volkmarsen), gibt es immer wieder auch Neuigkeiten oder besser: Er erinnert an vergessene Geschichte. Begleitend zur Ausstellung über den Ersten Weltkrieg im Wolfhager Regionalmuseum präsentierte er das historische Bild, das ein Denkmal zeigt, das vollkommen in Vergessenheit geraten zu sein scheint. 

Im Jahr 1924 wurde zum Gedenken an die Gefallenen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ein gewaltiges Denkmal auf dem Marktplatz errichtet. Ein aus Bronze gegossener liegender Löwe trohnte unübersehbar auf einem hohen Sockel. Oberhalb des Denkmals war in einem kreisrunden Feld von fünf bis sechs Metern Durchmesser ein Eisernes Kreuz im Pflaster eingelassen. Und unterhalb des Denkmals in Richtung Rathaus ein ebenso großer Davidstern. Klein erläuterte, dass Anfang der 1920er-Jahre trotz vielfacher Hetze in den meisten Orten die Mehrheit der Menschen noch fair mit ihren jüdischen Nachbarn umgegangen ist.

Inschriften zerstört

In den folgenden Jahren veränderte sich die Stimmung allerdings. Immer stärker wurden militärisch-kriegerische, nationalsozialistische und judenfeindliche Akzente gesetzt, auch in Wolfhagen wo im Jahr 1924 auf dem jüdischen Friedhof viele Grabsteininschriften von Unbekannten zerstört wurden. Die Juden wurden zum Sündenbock für die Auswüchse des Ersten Weltkrieges gemacht.

Dabei kämpften auch sie tapfer im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland. Sie wurden als „Drückeberger“ bezeichnet, obwohl die Ergebnisse der sogenannten Judenzählung von 1916 deutlich aufzeigten, dass sehr viele wehrpflichtige Juden an der Front kämpften. Diese diffamierende Judenzählung hatte der preußische Kriegsminister Adolf Wild von Hohenborn veranlasst. Der General war Besitzer des Rittergutes Hohenborn in der Nähe von Zierenberg.

Weil aber der Anteil der jüdischen Freiwilligen im Kriegsdienst überdurchschnittlich hoch war, wurden die Ergebnisse der Zählaktionen während des Krieges strikt geheim gehalten. Erst im Jahr 1922 zur Zeit der Weimarer Republik wurden sie veröffentlicht, aber schon bald von rechtsradikalen Agitatoren skrupellos gefälscht. Verzweifelt kämpften jüdische Organisationen gegen die Verunglimpfungen. Allerdings nach dem Erstarken der Nationalsozialisten vergeblich.

Volkstrauertag umbenannt

Ab 1933 wurden jüdische Organisationen verboten, an Gedenkfeiern für die Opfer des Krieges teilzunehmen. Der Davidstern im Pflaster des Wolfhager Marktplatzes wurde entfernt.

Der Volkstrauertag wurde zum Heldengedenktag umbenannt, die 12.000 im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten jüdischer Abstammung kamen bei diesem „Heldengedenken“ gar nicht mehr vor.

Quelle: HNA

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