Zäune sind für sie ein Fremdwort

Kleingarten-Jubiläum an Himmelfahrt: 75 Jahre Ruhe und Idylle in Wabern

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Unterm Gartentor: Auf das Jubiläum des Kleingartenvereins Wabern freuen sich von links Herta Slowik, Michael Rathgeber und Maria Speckhardt. Fotos: Dellit

Wabern. Es gibt ein paar Klischees über Kleingärtner. Die Regeln gehören dazu, die streng vom Verein überwacht werden. Und tatsächlich gibt es auch beim Kleingartenverein Wabern, der in diesem Jahr seit 75 Jahren besteht, ein paar dieser Regeln.

Keine motorisierten Geräte an Sonn- und Feiertagen, keine Nadelbäume, weil der Boden sonst zu sauer wird, kein offenes Feuer und die Verpflichtung, eine Hälfte des Weges zwischen den Parzellen sauber zu halten.

Ein Drittel Nutzpflanzen

Außerdem ist es vorgeschrieben, dass mindestens ein Drittel der Gartenfläche für Nutzpflanzen, zum Beispiel Kartoffeln und Erdbeeren, genutzt wird. Das, erläuterte Schriftführer Michael Rathgeber, steht so in der Satzung. Würde man das nicht gewährleisten, wäre die Gemeinnützigkeit des Vereins in Frage gestellt. Als dieser im Jahr 1939 gegründet wurde, ging es eben nicht um schöne Blumen, sondern um Kartoffeln für die eigene Familie.

So weit die Klischees. Es gibt jedoch auch einiges auf dem Kleingartengelände an der Alten Kasseler Straße, das den Außenstehenden überraschen mag. Zäune etwa sind (mit der Ausnahme einer Altfallregelung) ein Fremdwort. Die Parzellen sind nur durch eine Steinmarkierung voneinander getrennt.

Mitglieder aus aller Welt

Und wer im Kleingarten einen Hort der Ausländerfeindlichkeit und Deutschtümelei vermutet, liegt völlig falsch. Mitglieder kommen aus Pakistan, Russland und Bulgarien - um nur einige zu nennen - und irgendwo weht eine alte sowjetische Fahne rot und stolz im Wind.

Die Gemeinschaft schreiben die Gartenfreunde, die nicht nur in Wabern, sondern beispielsweise auch in Frielendorf, Felsberg, Treysa, Borken und Baunatal leben, ganz groß. „Im eigenen Garten sitzt man immer allein“, sagt Herta Slowik. Das sei im Kleingarten völlig anders.

Man bemühe sich, Konflikte schon im Ansatz zu lösen, sagt Rathgeber. Vorsitzender Uwe Bischoff schnappe sich dann die Kontrahenten zum klärenden Gespräch in der Laube des Vereins. Das war nicht immer so, erinnert sich Rathgeber: „Früher war einer des anderen Feind.“ Da habe es auch schon mal ein fristlose Kündigung gegeben, blickt er zurück.

Nun aber freuen sich die 53 Mitglieder an ihrer Idylle, die Herta Slowik so beschreibt: „Wenn man sich hinsetzt, herrscht himmlische Ruhe, man hört die Vögel zwitschern und sieht die Klapperstörche.“

Von Olaf Dellit

Jubiläum: Himmelfahrt, 29. Mai. 11 Uhr Gottesdienst, danach Speisen und Getränke. Kleingartengelände Alte Kasseler Straße in Wabern.

Quelle: HNA

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