Zahl der Kaiserschnitte nimmt weiter zu

Schwalm-Eder. 38 Prozent der Kinder im Schwalm-Eder-Kreis kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Das geht aus einer Studie der Bertelsmannstiftung hervor, über die die Krankenkasse DAK informiert. Damit liegt der Kreis über dem bundesweiten Durchschnitt.

„Ich kann diese Zahl für unser Krankenhaus bestätigen“, sagt Dr. Heinz-Josef Kaum, Chefarzt der Asklepios-Frauenklinik in Schwalmstadt. Das sei eine Entwicklung, der man durchaus kritisch gegenüber stehen müsse. Er sei ein Anhänger der natürlichen Geburt. „Wenn medizinisch nichts dagegen spricht, dann sollte eine Frau ihr Kind auf natürliche Weise bekommen“, sagt der Mediziner.

Kaum führt die steigende Zahl der Kaiserschnitte nicht nur auf die Angst der Schwangeren vor den Schmerzen oder den Wunsch nach einem bestimmten Geburtstermin zurück, sondern vor allem auch auf einen gesellschaftlichen Wandel in der Einstellung zur Geburt. Außerdem spiele das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren heutzutage eine größere Rolle, sagt Kaum. Letztlich entscheide die Frau, wie sie ihr Kind auf die Welt bringen wolle. Auch Wolfgang Kersting, der mit seiner Kollegin Tatjana Braun als Belegarzt am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist Frauen bei der Geburt betreut, kann diese Zahl bestätigen. „Bei uns sind es 39 Prozent“, sagt Kersting. Die Gründe dafür seien vielfältig.

Mit großer Sorge sehen die Hebammen diese Entwicklung. Gabriele Kopp vom Landesverband der Hessischen Hebammen sagt: „Man weiß, dass ein Kaiserschnitt viele Nachteile für Mutter und Kind hat.“ Zum Beispiel hätten Kaiserschnittkinder zwei- bis viermal so häufig Atemprobleme. Dennoch werde gerade auch durch die Medien der Eindruck erweckt, dass ein Kaiserschnitt heutzutage normal sei und keine schwere Operation.

HINTERGRUND

Im Durchschnitt kommt jedes dritte Kind in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Im Bundesvergleich gibt es große Schwankungen. „Verantwortlich hierfür ist vor allem die unterschiedliche Risikobewertung der Geburtshelfer in den einzelnen Regionen", sagt Sandra Kater von der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Fritzlar. So schwankt die Rate von weniger als 20 Prozent in Teilen der neuen Bundesländer bis fast 50 Prozent in Gebieten von Rheinland-Pfalz, Bayern und Niedersachsen. In Dresden werden nur 17 Prozent der Babys per Kaiserschnitt entbunden, während es in Tirschenreuth in Bayern 46 Prozent sind, heißt es in einer Mitteilung der DAK.

Von Barbara Kamisli

Quelle: HNA

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