16-jährige Schülerin Marie Wagner berichtet

Auslandsjahr in Norwegen: Zauber der Polarnacht erleben

Am Strand von Tromsø: Marie Wagner (links) mit ihrer Freundin Eli kurz nach ihrer Ankunft in Norwegen.

Oberelsungen. Die 16-jährige Schülerin Marie Wagner aus Oberelsungen verbringt ein Auslandsjahr in Norwegen. Seit zwei Monaten ist sie dort. Hier ihr Erfahrungsbericht. 

Was weiß man schon über Norwegen? Als ich mir das Land für ein Auslandsjahr aussuchte, wusste ich nichts darüber, außer dass es landschaftlich sehr schön sein soll. Ich bin mittlerweile schon seit über zwei Monaten hier und verliebe mich immer mehr in dieses Land. Die Landschaft verzaubert, und auch die Menschen sind alle ziemlich nett, ehrlich und direkt, wenn auch anfangs ein wenig unnahbar.

Ich werde in den nächsten Monaten die Schule in Tromsø besuchen und freue mich schon auf die kommenden Polarnächte aber auch auf die Mitternachtssonne im Juni.

Die Stadtmitte Tromsøs liegt auf einer Insel, die sich Tromsøya nennt. Ich wohne in Tromsdalen, was auch ein Stadtteil von Tromsø ist, aber auf dem Festland liegt. Tromsø ist mit 70 000 Einwohnern die größte Stadt des Nordens und liegt 344 Kilometer Luftlinie nördlich des Polarkreises, am so genannten Eismeer. Von hier aus ist Amundsen zu seinen Polarexpeditionen aufgebrochen.

Ich habe ein wenig Angst vor der langen Dunkelzeit. Aber ich bin dabei auch sehr gespannt, wie die Norweger damit leben.

Ich habe eine Gastfamilie, bei der verschiedene Kulturen gemischt sind. Meine Gastmutter kommt aus Tromsø, und mein Gastvater kommt aus Ghana. Er arbeitet als Elektriker in Ghana in einem norwegischen Unternehmen. Deshalb ist er immer acht Wochen in Ghana und zwei Wochen in Tromsø. Ich habe eine ältere Gastschwester, sie ist 18, und eine weitere Gastschwester in meinem Alter.

Mit dicker Jacke

Als ich im August in Tromsø ankam, war ich ein wenig geschockt. Ich habe das über 30 Grad warme Deutschland verlassen und kam in das zehn Grad kalte Tromsø. Seitdem gehe ich nur noch mit einer dicken Jacke aus dem Haus.

Ein Jahr in Norwegen: Die 16-jährige Marie Wagner berichtet über ihr Leben bei einer Gastfamilie in Tromsø.

In ganz Norwegen gibt es viele unterschiedliche Dialekte. Bei der Vorstellungsrunde in der Schule hat niemand „Jeg“ gesagt, was „Ich“ bedeutet, so wie ich es im Norwegisch-Kurs in Deutschland gelernt hatte. Sie sagten: „Æ“. Das hat mich so verwundert, dass ich dann doch keinen Mut hatte, mich auf Norwegisch vorzustellen. Ich stellte mich auf Englisch vor. Englisch kann hier aber zum Glück jeder sehr gut sprechen, denn darauf bin ich zunächst noch angewiesen. Auch duzen sich alle und werden mit Vornamen angesprochen, selbst die Lehrer. Die Ausnahme davon ist nur die Königsfamilie. Auch das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist hier ziemlich locker. Man kommt sich nicht wirklich wie in einer Schule vor.

Mitte Oktober hat es das erste Mal geschneit. Die wunderschönen Berge sind jetzt weiß. Ich habe ein wenig Angst vor der langen Dunkelzeit. Aber ich bin dabei auch sehr gespannt, wie die Norweger damit leben.

Quelle: HNA

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